Die deutsche Börse hat sich von den negativen Einflüssen befreit“, heißt es in einem Börsenkommentar vom Wochenende. Tatsächlich machte sich nach einer Woche der Nervosität wieder Optimismus bemerkbar. Auslandsaufträge und einige Investmentfonds sorgten für Stimmung und befreiten von der Last der Gerüchte, die mehrere Tage lang durch Börsensäle und Redaktionen geisterten: es stände der Zusammenbruch eines großen deutschen Industrieunternehmens bevor.

„Nichts dran“, kommentierten die führenden Großbankiers. Und man glaubte es. Am Freitag schloß die Gutehoffnungshütte fünf Mark fester, KHD 4,50 Mark, Linde sieben Mark. Das Thyssen-Bezugsrecht lag mit 4,85 Mark (nach 4,20) wieder über der rechnerischen Parität. Als man ins Wochenende ging, überwogen allgemein die Hoffnungen, daß sich die freundliche Tendenz am Montag fortsetzen würde.

Die Hoffnung war gerechtfertigt. Die Thyssen-Bezüge notierten bei 5,30 Mark. Linde legte weitere 4,50 Mark zu, KHD 3,10 Mark. Trotz aller anregenden Faktoren stießen die Börsianer jedoch immer wieder auf Barrieren für einen Aufschwung auf breiter Front. Die Aufträge fehlten.

Selbst die Nachricht des Kieler Weltwirtschaftsinstituts über den starken Konjunkturaufschwung vermochte daran nichts zu ändern. Obwohl die Ökonomen die Ansicht der Börsendienste teilen, die „Bombengewinne“ für etliche Unternehmen prophezeien, verloren die Kurse am Dienstag dieser Woche zum Schluß der Sitzung wieder erheblich an Höhe. ifr.