Frankfurt/Main

Aus Bonn mußten Wolf gang Mischnik, hessischer FDP-Landesvorsitzender und Chef der liberalen Bundestagsfraktion, sowie der SPD-Bundesgeschäftsführer Holger Börner zu Hilfe kommen: Es krachte wieder einmal im Gebälk der sozial-liberalen Koalition.

Diesmal ging der Streit der hessischen Regierungspartner um eine Funktionalreform. Freidemokraten, danach befragt, was denn nun eigentlich in letzter Zeit das Zusammenleben so schwierig mache, beklagten vor allem, daß es beim sozialdemokratischen Partner keinen Prominenten mehr gäbe, an den man sich im Ernstfall halten könne. Damit waren sowohl Ministerpräsident Albert Osswald gemeint, wie auch der Frankfurter Oberbürgermeister Rudi Arndt.

Die freidemokratische Analyse der SPD ist korrekt: Die Hauptschwierigkeiten liegen in der Konzeptionslosigkeit der hessischen Sozialdemokraten. So haben die Südhessen Zug um Zug Albert Osswald als Bezirksvorsitzenden abgebaut und ihm deutlich zu verstehen gegeben, daß seine Tage als Ministerpräsident gezählt sind. Aber nirgends auf weiter Flur ist ein Nachfolger zu erkennen.

Aber auch auf den neuen Bezirksvorsitzenden von Hessen-Süd, auf Rudi Arndt, wollen die Liberalen sich nicht verlassen. Zur Begründung ihrer Bedenken verweisen sie auf jenen Kraftakt bei der Aufstellung der SPD-Landesliste für die Bundestagswahlen, als Rudi Arndt zu erkennen gab, er werde zurücktreten, wenn der linke Parteiflügel bei der Nominierung der Bonner Parlamentsmannschaft nicht entsprechend berücksichtigt würde. Die Wünsche der Linken gingen in Erfüllung, aber Rudi Arndt ist nach wie vor Hessen-Süd-Vorsitzender.

So müssen die Sorgen der Freien’Demokraten wohl schon ernstgenommen werden: ihre kritischen Einwände, man wisse heute nicht mehr so recht, mit wem man es nun eigentlich zu tun habe. Selbst in der Umgebung des hessischen Regierungschefs breitet sich Resignation aus. Die Truppe, die bereit ist, nach wie vor mit ihm durch dick und dünn zu marschieren, wird kleiner, Die depressive Stimmung wächst, wenn zwischen dem Regiérungs verantwortlichen und seinen Mitarbeitern nicht mehr die wechselseitige geistige Anregung funktioniert, sondern wenn sich beide gegenseitig mit dem Virus der Niedergeschlagenheit anstecken.

Das war früher anders, als Ministerpräsident Osswald noch im Vollbesitz der politischen Macht gemeinsam mit den Liberalen die Geschicke des Landes bestimmte. Er war der Traumpartner der Freien Demokraten – einen verständnisvolleren Kabinettschef konnten sie sich nicht wünschen. Albert Osswald profitiert vom Koalitionsbündnis, indem er auf liberalen Widerstand verwies, wenn ihn der linke Flügel seiner Partei in die Zange nehmen wollte. Doch seit Anfang des Jahres wird in – Wiesbaden nicht mehr regiert, sondern nur noch verwaltet.