Natürlich ist es verboten, während der Fahrt Blumen zu pflücken. Doch wenn der Zug der „Ersten Museums-Eisenbahn Deutschlands“ nach dem Sommerfahrplan 1976 der Deutschen Bundesbahn um 15.11 Uhr im Bahnhof Vilser Holz hält, dann wird – laut Fahrplan – ein fünf Minuten dauernder „Aufenthalt zum Photographieren“ eingelegt.

Die „Erste Museums-Eisenbahn Deutschlands“ gehört einem Privatunternehmen, den Museums-Eisenbahnern. Die „romantische Kleinbahn mit Dampf und Rauch“, die nach offiziellem Fahrplan unter der Nummer 114 in Niedersachsen von „Bruchhausen-Vilsen über Asendorf Bf.“ und „Heiligenberg nach Asendorf“ (und zurück) fährt, wird von der „Spreewald“ gezogen, einer Dampflok aus dem Jahre 1917, die zunächst im westlichen Ostpreußen Dienst tat, dann in den Spreewald versetzt wurde. Die Museums-Eisenbahner erwarben die Lok vor ein paar Jahren aus der DDR und setzten sie wieder unter Dampf. Statt der „Spreewald“ kann aber auch die „Hoya“ an der Spitze zuckeln. Sie ist 18 Jahre älter als die „Spreewald“ und gehörte früher der Kleinbahn Hoya–Syke–Asendorf, ist also ihrer Heimat treu geblieben.

Der Wagenpark der Museums-Eisenbahn stammt aus allen Teilen Deutschlands. Die Loks, die Personen- und Güterwagen fuhren am Steinhuder Meer und in Mecklenburg, auf den Ostfriesischen Inseln, in Ostpreußen und im Schwäbischen.

Die 35-Minuten-Reise beginnt in dem alten Erholungsort Bruchhausen-Vilsen, idyllisch gelegen in hügeliger Waldlandschaft, wo schon vor 300 Jahren königliche und fürstliche Damen aus niedersächsischen Residenzen „den Brunnen“ tranken. Die dann folgenden Stationen locken zum Aussteigen: In „Fischteiche“ kann man einen Kahn zum Rudern leihen, in „Wiehe-Kurpark“ gibt es ein Waldschwimmbad, in „Heiligenberg“ können die Kinder auf einem Esel reiten, und unweit der Station, in Homfeld, befindet sich ein Bauernhausmuseum. Die Station Arbste lädt zum Wandern ein und ebenso die Endstation Asendorf. Zwischendurch gibt es im Büfettwagen Erfrischungen.

Die Bahn feiert in diesem Jahr ihr zehnjähriges Jubiläum in zweiter Karriere. Wie lange wird sie noch fahren? Die Museums-Eisenbahner haben Sorgen: „Es gibt nicht mehr viele Lokführer, die mit den alten Lokomotiven umgehen können.“

Auskünfte: Gemeindeverwaltung, Lange Straße 11, 3094 Bruchhausen-Vilsen, Telephon (0 42 52) 23 02.