Als Student an der Pekinger Universität: Der Fremde wird nicht integriert

Von René Wagner

Als einer der ersten ausländischen Studenten nach der Kulturrevolution begann ich im Winter 1974 mein Studium an der Peking Universität. Die Universität, im Nordwesten Pekings gelegen, ist eine der angesehensten Ausbildungsstätten in ganz China. Hier nahm im Jahre 1966 die Kulturrevolution ihren Anfang, die das gesamte chinesische Erziehungssystem revolutionieren sollte. Und hier studieren heute – nachdem vor fünf Jahren der Lehrbetrieb an den chinesischen Hochschulen wieder aufgenommen wurde – über 6000 Studenten, unter ihnen knapp 200 Ausländer.

Die ausländischen Studenten stammen vorwiegend aus Vietnam und der Volksrepublik Korea. Doch die Zahl derjenigen aus dem westlichen Ausland nimmt ständig zu: Engländer, Franzosen, Österreicher, Italiener, Kanadier, Mexikaner, Australier studieren eines der vier Fächer, die den Ausländern angeboten werden: Geschichte, Literatur, Philosophie und Sprachwissenschaft. Neben jungen Leuten aus Albanien – drei von ihnen lernen hier in Peking Deutsch – sind auch Studenten aus zwei anderen Nationen Osteuropas an dieser Universität eingeschrieben, aus Jugoslawien und Rumänien.

Die meisten Ausländer an der „Bei-da“ – so die chinesische Abkürzung für die Pekinger Universität – sind bisher kaum oder überhaupt nicht in den Lehrbetrieb der chinesischen Studenten integriert. Der wichtigste Grund hierfür: der Großteil der ausländischen Studenten besucht die Universität nur für ein Jahr. In dieser Zeit soll – in geraffter Form – ein Lehrstoff vermittelt werden, für dessen Bewältigung den chinesischen Studenten über drei Jahre zur Verfügung stehen. Außerdem mußten die verantwortlichen chinesischen Stellen erst einmal wieder Erfahrungen mit den mitgebrachten Voraussetzungen und Ansprüchen der ausländischen Studenten sammeln.

Impulse von Mao

Ich studierte moderne chinesische Revolutionsgeschichte. In diesem Kurs, der knapp fünf Monate dauerte; wurde die Entwicklung der Kommunistischen Bewegung in China von der 4.-Mai-Periode 1919 bis hin zu den jüngsten Auseinandersetzungen innerhalb der Kommunistischen Partei, Chinas (KPCh) dargestellt. Neben dem Geschichtsunterricht, sechs Stunden in der Woche, gab es noch die Möglichkeit, an Übungen zur marxistischen Philosophie, zur chinesischen Schrift- und Umgangssprache teilzunehmen.