Hannover

Einmal im Jahr gibt Hannover sich weltoffen. Immer dann, wenn die Stadt zur Messe einlädt. Und dann greift sie geübt nach den Banknoten aller Länder. Jetzt, nachdem die letzte Frühjahrsmesse nun schon eine Zeit zurückliegt, läßt sich Bilanz ziehen. Mit anderen Worten: Manche Hotels griffen den Besuchern schamlos in die Tasche.

„Mit Engelszungen“, so beteuert Verkehrsdirektor Hans von Gösseln, haben die Stadtoberen vor allem die Gastronomie gebeten, zur Messezeit preisliche Milde walten zu lassen. Denn jahrelang war Hannover zur Messe die Stadt des Nepps. Auch vor der Messe richteten der OB, Verkehrsverein und Messe AG ihren Appell an Hotels, Bars und Gaststätten. In den Wind war es gesprochen.

Zwar versprachen die Hoteliers, aus den neun Tagen der Weitläufigkeit keine Rekordwoche des Geldhäufens zu machen, ihre Bettenpreise nicht durch verknüpfte Halbpension aufzurunden, doch manch ein Gastronom fand einen Trick, das eigene Ehrenwort zu umgehen. Der Reibach wird einfach im Restaurant gemacht.

Ausgerechnet eines der renommiertesten Häuser Hannovers, eine Luxusherberge, deren Gästeliste aus dem internationalen Who’s who photokopiert sein könnte, erfand den Clou für das Kassenwohl.

Mit der Zimmerbestätigung erging an den Hotelgast ein aufrichtiges Wort der ökonomischen Bedrängnis:

„Wir gehen davon aus, daß Sie weitgehendst unser Restaurant in Anspruch nehmen. Der von uns kalkulierte Zimmerpreis berücksichtigt die Frequentierung unseres Restaürantangebotes. Deshalb ist es erforderlich, uns eine Verzehrgarantie von 20 Mark pro Person und Tag zu geben. Wir bitten für unsere Situation um Verständnis...“