Von Hans-Hagen Bremer

In den französischen Pyrenäen stoppten Jungbauern zwei Lastzüge aus Spanien und kippten die Ladung auf die Straße. Noch Tage danach kennzeichnete ein schöner roter Matsch aus zertretenen Tomaten den Ort des Überfalls.

Billiges Obst und Gemüse, vor allem Tomaten und Pfirsiche aus Spanien, Italien und Griechenland erregen seit neuestem den Zorn der französischen Bauern und haben dem Europäischen Agrarmarkt nach dem italienisch-französischen Weinkrieg nun auch einen Tomatenkrieg beschert.

In Erinnerung an die blutigen Unruhen unter den französischen Winzern, deren Protest gegen die öchslehaltige Springflut aus dem südlichen Nachbarland die staatliche Autorität in den südwestfranzösischen Departements ins Wanken gebracht hatte, beeilte sich die Regierung im fernen Paris diesmal, die aufgebrachte grüne Front rasch und auf eigene Faust zu besänftigen. Die Obst- und Gemüseverarbeiter erhielten eine Subvention von 70 Millionen Francs (38,3 Millionen Mark), damit sie den Landwirten bessere Preise zahlen können. Die Erzeuger im Rhonetal sagten daraufhin eine für das Pfingstwochenende geplante Protestaktion ab. Darüber hinaus hatte die Regierung die Grenzen bis auf weiteres für Tomateneinfuhren aus den Ländern dichtgemacht, die nicht der Europäischen Gemeinschaft (EG) angehören.

Nach Butterberg, Rindfleischhalden, Milchpulverturm und Weinsee plagen sich die europäischen Landwirtschaftsminister nun auch mit einer Tomatenschwemme. Von dem unerwünscht ten Segen ist zwar in der Hauptsache nur Frankreich betroffen, aber Abhilfe kann nur die Gemeinschaft schaffen. In den italienischen Anbaugebieten lagert die Produktion von zwei Jahren unverkauft. Die Exporteure des Landes nutzten den Kursverfall der Lira, um Tomatenmark beim Nachbarn preiswert zu verkaufen. Auch aus Spanien und Griechenland, wo der Anbau florierte der Absatz aber stagniert, trafen preisdrückende Lieferungen ein. Die französischen Erzeuger blieben auf den Früchten ihrer Nachtschattengewächse sitzen, weil die Konservenbetriebe sich anderswo billiger eindecken konnten.

Nun soll eine Anhebung der EG-Einfuhrmindestpreise die unliebsame Drittlandkonkurrenz zurückdrängen. Und gegen Italiens Obst- und Gemüsebauern möchte die französische Regierung – wie ehedem beim Wein – die Abwehrschlacht mit einem Grenzausgleich, also einer Art Importsteuer, führen.

Das jüngste Sorgenkind der EG-Agrarier ist eine Herzensangelegenheit von Bonns Landwirtschaftsminister Josef Ertl: die gemeinsame Hopfenmarktordnung. 25 000 Tonnen, das ist um die Hälfte mehr als „normal“, lagern derzeit in den Vorratsstellen. Mit Subventionen, die sich je nach Sorte zwischen 439 und 2379 Mark pro Hektar bewegen, haben die europäischen Agrarpolitiker mitgeholfen, daß sich die Produktion stetig erhöhte – zum Wohlgefallen ihres dienstältesten Kollegen und dessen bayerischen Hopfenanbauern. Nun sollen die Beihilfen auf die Flächen begrenzt werden, die 1974 bebaut wurden, Den Bauern, die ihre Ernte nicht einbringen, soll die EG-Kasse pro Hektar 4177 Mark zuschießen, Die Kosten dafür betragen 8,8 Millionen Mark.