Als ich ihn zum letztenmal in Ratzeburg besuchte, das war vor einigen Wochen, spürte man bereits die Resignation aus seinen Worten: „Wenn es nach mir ginge, würde ich heute schon aufhören; aber ich habe versprochen, noch meinen Nachfolger einzuarbeiten.“ – Diese letzte Aufgabe, die er sich für die Ratzeburger Ruder-Akademie gestellt hatte, wird nun für immer unerfüllt bleiben. Karl Adam ist tot. Er starb 64jährig an einem Herzversagen. Der deutsche Rudersport hat seinen besten Mann verloren.

Ein Mann ohne Umschweife, der es verstand, nach links und rechts auszuteilen, wenn er spürte, daß auf der anderen Seite nur geschniegelte Konvention stand. Einer, der den Leistungssport vor allem gegenüber jenen Intellektuellen verteidigte, die ihre Unwissenheit im Sport als Zeichen einer verfeinerten Intellektualität verstanden sehen wollen. Kein bequemer Mann, dieser Karl Adam, aber einer, der sich für seine „Jungens“ aufopfern konnte. Und sie nannten ihn „Kalli“, sagten „du“ zu ihm – bis hin zum kleinsten Steuermann.

Wer bei Karl Adam im Boot sitzen wollte, mußte arbeiten, hart arbeiten können. Und der Trainer machte es den jungen Burschen vor, wie hart man trainieren konnte, ohne daran zu zerbrechen. Der Selfmademan des Rudersports machte keine halben Sachen. Es war die Knochenarbeit der Schwerathletik, die er seinen Ruderern aufbürdete. Aber die jungen Männer unterzogen sich dieser Tortur, freiwillig. Denn immer spielte der Einzelne bei Karl Adam – auch im Achter oder gerade dort – seine „persönliche“ Rolle.

„Sie müssen freiwillig kommen“, sagte er, „sonst kann ich sie nicht gebrauchen.“

„In einem Boot gibt es keine Vorzugsplätze“, sagte er.

Leistung war für Karl Adam nicht einfach Betätigung spezialisierter Muskeln. Leistung war für ihn ein komplizierter Vorgang mit allen Möglichkeiten zur Entwicklung der körperlichen und geistigen Fähigkeiten seiner „Jungens“. Das Leistungsbewußtsein der Aktiven stärkte sich dabei an dem Beispiel, das Karl Adam selbst gab.

„Ich habe zwei Bücher in Vorbereitung“, sagte er bei meinem letzten Besuch, „eins davon ist autobiographisch und handelt infolgedessen von einem Sportnarren.“

Diese Bücher werden nun ungeschrieben bleiben. Gerhard Seehase