Johannesburg, im Juni

Der schwarze Photograph Alf Khumalo von der Johannesburger „Sunday Times“ war am Mittwoch vergangener Woche in die schwarze Gettostadt Soweto gefahren, um Aufnahmen zu machen von den Schülerdemonstrationen gegen die Einführung von Afrikaans als Unterrichtssprache. Ehe er sich’s versah, befand er sich im Zentrum der Unruhen, die bisher über 100 Menschenleben und mehr als 1000 Verletzte gefordert haben. Nachstehend sein Bericht:

„Gewalt. Kleine Körper krümmen sich in Blutlachen auf dem staubigen Boden. Polizeikugeln reißen Löcher in die Menge. Schreie der Angst und des Schmerzes. Das habe ich immer wieder vor Augen, wenn ich an jenen Tag denke, den ich niemals vergessen werde.

Ich kam gegen elf Uhr morgens in Soweto an. Die Kinder waren schon dabei, mit ihren Transparenten loszumarschieren. Mannschaftswagen der Polizei kamen an. Aus ihnen quollen Männer, die anfingen, Tränengas in die Menge zu schießen. Zu diesem Zeitpunkt ließ sich noch nicht erahnen, was gleich darauf passieren sollte. Die Kinder lachten und scherzten untereinander. Sie marschierten auf die Polizisten zu, aber als sie sich den erhobenen Gewehren gegenüber sahen, gingen sie zur Orlando-West-Schule zurück.

Die Polizisten kreisten die demonstrierenden Kinder ein. Inzwischen war die Menge auf etwa 12 000 angewachsen. Wieder feuerten die Polizisten Tränengaspatronen ab.

Die Kinder wehrten sich mit Steinen gegen die Polizei. Einige umzingelten die Polizisten und deckten sie von allen Seiten mit einem Steinhagel ein.

Da begann die Polizei an zu schießen. Ich ertappte mich dabei, wie ich zu den Kindern in ihren Schuluniformen hinschaute und mir dabei überlegte, wie lange sie wohl gegen die Polizei standhalten würden. Plötzlich fiel ein kleiner Junge neben mir zu Boden. Da begriff ich, daß es nicht Warnschüsse waren, die die Polizisten abgaben. Sie schossen direkt in die Menge.