Kaum hat sich ? der Engel der möglichen Wunder" von einer schlafenden Marionette in einen adretten Ansager hochgerappelt, da flattern ihm schon die Andre Heller Seritenzen wie ausgestopfte bunte Kolibris mit Propellerchen aus dem Mund "Nichts", so deklamiert der schlanke schöne junge Mann im schwarzen Frack, "nichts ist unmöglich, wenn wir es nur stark genug beschwören Und er verkündet mit biblischer Pose: "Die 728. Vorstellung beginnt: Es werde Zirkus!" t Drei Stunden danach, wenn diese vorsätzlich "verantwortungsvolle Unterhaltung für sämtliche Schichten der Bevölkerung zu Ende ist, fordert der nun weiß befrackte Engel die Leute auf: "Geht nach Haus und träumet! Seid bestürzt! Seid wahrhaftig!" Und ruft ihnen nach: "Auf Wiederträumen! Auf Wiederdenken! Auf Wiedersehen!" Die Artisten und ihre Helfer, die Nummernmädchen und die Livrierten, vom Beifall in Stimmung gebracht, fallen ein in den Heller Ton und wiederholen, als rezitierten sie Gedicht: "Geht nun nach Hause und bleibet ie Acht Mann Kapelle packt die Inate zusammen, das Tonband intoniert ein Chanson: Der Zirkus ist aus.

faum je wäre der "Zirkus Roncalli", der ge3e in Köln gastiert, so interessiert aufgenomi worden, wenner nicht zweiso exotische Urheber hätte: erstens den Hochbaufachmann, ArtDirector, Graphiker, nunmehr Zirkusdirektor Bernhard Paul, der von Kind an von einem eigenen Zirkus, zuletzt ernüchtert nur noch von einem Zirkusmuseum geträumt hat — und zweitens den Wiener Chichi Poeten Andre Heller, der den Freund ermunterte, das Museum zu lassen und wirklich einen Zirkus zu gründen. Sie leerten ihre Konten, sammelten und erbettelten Spenden, Kredite und Subventionen, kauften Wagen, Trekker und ein Zelt für 1500 Menschen, sie engagierten schließlich Artisten, wehrten sich gegen Neid und Mißtrauen, die Eifersucht der Branche und das Desinteresse der Bürokratie und wurden am Ende mit einem Geleitwort vom Kanzler Kreisky belohnt. Er feiert sie wie Helden der Nation, denn ihnen sei "mit dem Zirkus etwas Großes, vielleicht Umwälzendes eingefallen".

Dabei sollte es aber doch gar kein Zirkus werden, sondern ein "Theaterstück Roncalli", und die Devise hieß nicht so ähnlich wie "Menschen, Tiere, Sensationen", sondern: "Die größte Poesie des Universums". Und den Artisten wurde nachgesagt, sie präsentieren nicht bloß ihre Num mern, sondern verdeutlichen mittels~ "" Geste Situationen des Schaustellers gen Umgebung, die die Nun ist es W:

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ffiemäls etwas Zirkusliteratur, überiVrtreibungen, jede Metapher fang von der Art, wie sie Zauberer der eine mit Worten, die anderen (wie irkus Roncalli" der Lehar Chinese Hsing ;So) mit Enten und Blumensträußen, Kaninchen, | endlosen Bändern und schönen Mädchen, die er aus einem vordem bedächtig mit Wasser gefüllten Bottich ans Licht zu bringen verstand.

Man braucht nur dem Engel zuzuhören, und den Märchen, die ihm Heller für die Conference gedichtet hat: wenn er vom Zauberer und Messerwerfer behauptet, er sei "mit der Milch eines Marders aufgezogen", oder vom Degen- und Feuerschlucker, diesem "letzten Flammenadjutanten" eines Maharadschas, er sei "am Fuße eines Vulkans geboren", oder wenn er das "HandWerk des Absurden" eines Handstandkünstlers würdigt, den es auf Füßen schwindelt und der deshalb den Kilimandscharo wie den Großglockner auf bloßen Händen erklommen habe.