München

Die pikante Enthüllungsgeschichte über denLebensstil des Regensburger Erbprinzen Johannes von Thurn und Taxis wird bis auf weiteres nicht gedruckt. Der Bertelsmann Verlag hat das Buch des fürstlichen Kammerdieners a. D. Josef Hampl: „Durchlaucht – es ist angerichtet“ endgültig zurückgezogen. Die Münchner Büchermacher verpflichteten sich noch vor Ablauf des Hauptverfahrens weder die anrüchigen Zitate ihres Prospekttextes über rosa Höschen in fürstlichen Sofaecken, Kaviarvöllerei und verschmutzte Adelssocken, noch die 20 Tagebuchkladden ihres schreibenden Butlers zu verwerten. An Stelle des „gesellschaftskritischen Berichtes über das anstrengende Tun und Nichttun der Top-Society“ (so die Werbeankündigung) wurde bislang nur eine Gerichtsakte geschrieben, die mit Beiträgen aus dem Hause Thurn und Taxis, dem Hause Siemens, Bertelsmann und vom Autor Hampl inzwischen auf 250 Seiten angewachsen ist. Trotz des Rückzugs der Berteismänner aber gelangte die Akte noch nicht zu einem juristischen Happy-End, denn Ex-Kammerdiener Hampl klagt weiter. Sein Anwalt strebt eitlen Vergleich an, der den lädierten Ruf des klatschsüchtigen Butlers wiederherstellen soll.

Nachdem der 53jährige Diener keine Chancen mehr hat, bei Bertelsmann in die Literaturgeschichte einzugehen (nach jüngsten Meldungen soll er sogar seinen Vorschuß von rund 20 000 Mark zurückzahlen), betreibt er verstärkt Enthüllungen über die Produktionsmethoden von Bestsellern des Münchner Verlagshauses. Nach langem Schweigen beschwert sich der schreibende Diener nun, daß ein Ghostwriter namens Bernt Engelmann aus seinen biederen Memoiren eines fürstlichen Alltagslebens eine Kolportage mit Dichtung und Wahrheit produziert hat.

Hampl, der heute in der Hausverwaltung der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität ein durchaus bürgerliches Leben mit geregeltem Feierabend führt, findet es nunmehr „eigentlich empörend“, was aus seinen Kladdeneintragungen über seine zwölfjährige Dienstzeit im Hause des reichen Großadeligen entstanden ist.

Schon um die Wahrheit wieder ins rechte Licht zu rücken, schreibt er nun im stillen Kämmerlein eine Neufassung seiner Erinnerungen mit Seiner Durchlaucht. „So wie es wirklich war, aber ohne rosa Höschen und die ganzen anderen Peinlichkeiten.“ Bertelsmann-Anwalt Albert Gerhardt sieht dieser Neuformulierung des abgelehnten Werks mit Ruhe entgegen, er befürchtet keinerlei Konkurrenzauflage, denn das erste Gerichtsurteil in Sachen Hampl contra Thurn und Taxis lehnte die Memoiren grundsätzlich als unzulässigen Eingriff in die fürstliche Privatsphäre ab. B. Z.