Die Welt treibe auf einen dritten Weltkrieg zu. Dies ist die Schlußfolgerung, die das „Stockholmer Internationale Friedensforschungs-Institut“ (SIPRI) in seinem jüngsten Jahrbuch aus den steigenden Rüstungsausgaben in fast allen Ländern der Erde zieht.

Über 700 Milliarden Mark haben sämtliche Staaten der Welt im Jahre 1975 für die militärische Rüstung ausgegeben. Der Löwenanteil dieser Summe entfällt auf die Militärblöcke der Nato und des Warschauer Paktes (78 Prozent). Dabei rangiert die Nato mit 239,5 Milliarden vor dem Ostblock mit – nach verfügbaren Quellen – 178,3 Milliarden Mark. Die jährliche Zuwachsrate im Osten-liegt jedoch – wie schon während der vergangenen zwei Jahrzehnte – mit 3,3 Prozent über dreimal höher als bei der Nato (ein Prozent).

Das Institut schätzt die Zahl der für Rüstungszwecke tätigen Forscher und Techniker in aller Welt auf 400 000; das sind rund 40 Prozent aller hochqualifizierten Wissenschaftler.

Neben den Nuklearwaffen stellten die immer mehr verfeinerten konventionellen Waffensysteme eine wachsende Bedrohung des Weltfriedens dar.

Als Beispiel für die Kostenexplosion in der Rüstung wird das US-Kampfflugzeug F 16 genannt: Seine Entwicklung habe etwa achtmal soviel gekostet wie die Summe, die die Weltgesundheitsorganisation beaötigen würde, um die Pockenkrankheit endgültig zu besiegen.

Das stärkste Ansteigen der Rüstungsbudgets registriert das Jahrbuch im Nahen Osten. Seit 1961 liegt dort die jährliche Zuwachsrate bei 19,5 Prozent. Die Arsenale der Nahost-Staaten seien inzwischen mit den modernsten Waffen angefüllt, über die sonst nur die Sowjetunion und die USA verfügten. Das sehe vor allem für Panzer und Kampfflugzeuge. Die Chancen für ein Kräftegleichgewicht im Nahen Osten müßten auf Null sinken, „es sei denn, die Waffenlieferanten kamen überein, ihre Lieferungen zu begrenzen“. H. Sch.