Ein Rätsel, der Mann. Er ist ein Freund von Franz Josef Strauß; aber der Stil, den er auf dem Feld praktiziert, ist dem Straußschen Gehabe in jeder Weise entgegengesetzt. Wo der eine röchelt und röhrt, tänzelt der andere anstrengungslos. Wo der eine schäumt, bleibt der andere kühl bis ins Herz. Vilshofen kontra Sanssouci!

Walter Jens im „Kern“ zum 100. Länderspiel des Fußballers Franz Beckenbauer

Words, words

Ein Altphilologe schlägt sich noch mit der problematisch ungesicherten Herkunft des „OK“ herum, aber der Rest der Gruppe ist schon tief in das „Ps“ und alle seine „Psycho“-Kombinationen eingetaucht, und dann seufzen alle dem verqueren „Q“ entgegen: Die Rede ist von den zwanzig Lexikographen, die in einem viktorianischen Backsteinhaus am Walton Crescent in Oxford sitzen und jetzt feststellen mußten, daß die Supplement-Lieferungen zu dem berühmten. „Oxford English Dictionary“, die ursprünglich auf einen Band kalkuliert waren, sich dann zu drei Bänden auswuchsen und nun auch noch einen vierten Band füllen werden. Das originale „OED“, von Sir James Murray 1885 mit Hilfe von zwei emsigen Töchtern und drei Mitarbeitern in einem gemütlichen Oxforder Haus und Garten auf den Weg gebracht, ist 13 Bände breit und 500 000 Stichwörter stark. Murrays Nachfolger Burchfield und seine Mitarbeiter werden es um etwa 50 000 Stichwörter ergänzen, die „in die Sprache eingetreten“ sind seit der Komplettierung des „OED“ vor fünfzig Jahren. Der zweite dieser Supplement-Bände wird im Herbst erscheinen; damit Normalverbraucher und die lieben Kleinen nicht benachteiligt werden, gibt es auch eine Neuausgabe des „Concise Oxford Dictionary“ (das zum englischen Haushalt gehört wie die Flasche Aspirin-Tabletten) und des „Oxford Children’s Dictionary“. Man darf, auch bei problematisch ungesicherter Herkunft, diese Nachrichten aus dem Lexikon-Reich von Oxford getrost mit einem „OK“ kommentieren.

Panflöten-Renaissance

Wer gedacht hatte, die aus lauter verschieden langen Röhren zusammengefügte Panflöte beschäftige heutzutage eher die Archäologen als die Musikanten und ihre Zuhörer, muß sich gerade eines Besseren belehren lassen. Der Rumäne Gheorghe Zamfir lockt damit scharenweise Leute jeglicher Bildung und Profession in die Konzertsäle. Schwer, dem rätselhaften Vorgang auf den Grund zu kommen. Zamfir spielt, nachdem er sich auf einer seiner hier verbreiteten Schallplatten auch mit der Orgel zu sentimentalem Duettieren eingelassen hatte, jetzt vor allem folkloristische Stücke. So liegt die Frage nahe, ob der Run zur Panflöte nicht etwas mit der Sehnsucht nach Natur-Idyllik oder der Beschaulichkeit sinnierender Schäfer zu tun hat, mit dem Mythos der völkerverbindenden Volkskunst oder mit der Lust am Exotischen. Die letzte künstlerische Manifestation auf der Panflöte stammt wie erinnerlich von Mozart, der ihr Zauberkraft verlieh. Danach war sie heruntergekommen zum Kinderspielzeug aus Zelluloid, das in Wundertüten steckte oder an Lutschstangen. Jetzt geht ihre Rehabilitierung weiter: Zamfir kommt schon im Herbst wieder zu sechzehn Konzerten.

Der Walter aus Dingsda

Wenn sich Politiker zu Fragen der Kunst äußern, dann geben sie sich gern demütig. „Ich bin kein Theaterfachmann; ich bin ein interessierter Laie“, sagte jetzt auch Walter Scheel, als er dem in Kiel tagenden Deutschen Bühnenverein seine Gedanken zur Theaterkunst vortrug. Der Präsident sprach, wie es sich für einen Landesvater gehört, goldene Worte; Worte, die niemandem weh tun. Trotzdem merkte man den nach allen Seiten offenen Betrachtungen deutlich an, wofür des Mannes Herz schlägt: nicht für die schweren, schwierigen Künste, sondern für die leichte Muse. Walter Scheel, Tenor, erklärte sich solidarisch mit den Freunden der Operette („Ich halte es für müßig, über den Geschmack der Leute die Nase zu rümpfen. Sie wollen unterhalten sein, und das ist ihr gutes Recht“), und er äußerte dezente Abscheu vor dem sogenannten engagierten Theater. Für die in Kiel versammelten, ständig um ihre Subventionen bangenden Theaterleute hatte der Präsident das richtige Trostwort parat: auch ohne öffentliche Gelder würde das Theater weiterleben, „der ewige Mimus würde sein Spiel treiben“. Der ewige Mimus? Nein: Der Vetter aus Dingsda.