Lovis H. Lorenz

Die License Nr. 6 des Military Government-Germany von Anfang 1946 für DIE ZEIT nannte vor Richard Tuengel, Ewald Schmidt (später Schmidt di Simoni) und Gerhard Bucerius, als Principal Licensee: Dr. Louis Lorenz. Gemeint war: Lovis H. Lorenz, geboren am 16. 2. 1898. Lorenz starb am 19. Juni 1976. Sein Vaterhaus stand in der Brandstwiete, damals eine Hamburger Proletarier-Gegend. Sein Vater besaß da eine Kneipe. Lorenz hat oft erzählt, wie die Hebamme den Neugeborenen durch die Durchreiche aus der Küche in die Gaststube zum Vater schob. Nach dem ersten Weltkrieg studierte Lorenz Kunst- und Literaturgeschichte, Philosophie und Archäologie – ein bißchen viel für ein ernsthaftes Studium? Aber Lorenz wußte früh, was er wollte, und bewies seine Leistung durch eine Promotion in Marburg (1923). 1925 wurde er Bildredakteur des Hamburger Fremdenblattes, das (als erste deutsche Zeitung) eine aktuelle Tiefdruckbeilage hatte. Dort entdeckte ihn Scherl: Lorenz wurde Chefredakteur von Die Woche, der wichtigsten deutschen aktuellen Illustrierten; sie ging 1944 ein, als sich der Krieg Berlin näherte.

DIE ZEIT verließ Lorenz August 1950, zugleich mit Ernst Friedlaender. In einem Leserbrief an DIE ZEIT schrieb er 1966, warum: „Der Grund für mein Ausscheiden war, daß zwischen den fünf Gesellschaftern derart schroffe persönliche und sachliche Differenzen aufgetreten waren, daß ich für mich keine Möglichkeit zu gedeihlicher Arbeit mehr sah.“

Dem Regionalprogramm des Norddeutschen Rundfunk hat er die wichtige lokale Farbe gegeben; eine Interview-Reihe nannte er: „Hand aufs Herz“. Eines seiner zehn Bücher („Zu neuen Ufern“) ist mit Zarah Leander verfilmt worden.

Er starb – wo denn? – in Hamburg, im alten Övelgönner Kapitänshaus „Der lange Jammer“. Seine Nachbarn betrauern ihn wie seine vielen Freunde.

Gehlhoff bleibt

Der Staatssekretär des Auswärtigen Amts, Walter Gehlhoff, wird auf seinem Posten bleiben. Nachdem er aus gesundheitlichen Gründen hatte pausieren müssen, sind die ärztlichen Bulletins nun günstig ausgefallen. Ursprünglich war daran gedacht worden, Gehlhoff, wenn er nicht ganz in den Ruhestand hätte gehen müssen, mit den etwas weniger strapaziösen Aufgaben des Pariser Botschafters zu betrauen. Dort wartet Sigismund von Braun, der die Pensionsgrenze erreicht hat, auf seine Ablösung. Als wahrscheinlicher Nachfolger Gehlhoffs in der Zentrale war immer wieder der Name des Leiters der zweiten politischen Abteilung, des Ministerialdirektors Günther van Well, genannt worden.