Der junge Fernsehjournalist Hans Hübner wollte gegen eine „vielfach verfälscht“ oder „falsch interpretierte“ innenpolitische Entwicklung Material zusammentragen. Die Berichterstattung über Portugal in „einem Großteil der westeuropäischen Presse“ hatte ihn „geärgert“:

Hans Hübner: „Portugal: Prüfstein der Demokratie?“ Kiepenheuer & Witsch, Köln 1976; 142 S., 10,– DM.

Mit seiner schnell geschriebenen, 140 Seiten umfassenden Gegendarstellung verärgert er nun wahrscheinlich viele, die von ihm handfeste Argumente erwartet hatten. Der Autor versucht zwar in seinem Vorwort mögliche Kritik abzuriegeln, wenn er sagt, keinen Anspruch auf Vollständigkeit und Wissenschaftlichkeit“ zu ergeben. Dennoch: Ein Beitrag zu einer, wie er meint, bisher recht einseitig geführten Diskussion um Portugal, will das Buch nicht werden.

Dazu müßte der unbestritten für das „Neue Portugal“ engagierte Journalist nicht nur Stippvisiten in dieses revolutionäre kleine Land am Südwestrand Europas gemacht haben. Man merkt ihm auf allen Seiten an, daß er sich in der Hauptsache auf Zeitungslektüre und Archivmaterial stützen mußte – und die entscheidenden Phasen des Umbruches nicht vor Ort erlebte. Eine angelesene Arbeit.

Was Hübner vorträgt, ist in einem Großteil der westeuropäischen Presse meist nur negativ besprochen worden. Und das ist ein Verdienst dieses Taschenbuches. Es plädiert für den eigenen Weg, den Portugal gehen will. Es wendet sich gegen die Arroganz jener, die fordern, daß Portugal nur eine „echte“ Demokratie werden könne, wenn die vorliegenden Muster Westeuropas übernommen würden. Der Autor ist durchaus auf dem richtigen Weg, wenn er meint, in Portugal waren die Ansätze gegeben, die Demokratie mit neuen Denkansätzen zu beleben. Doch war Hübner leider außerstande, diese faszinierende Phase auch zu beschreiben.

Dem Kritiker Hübner muß selber der Vorwurf gemacht werden, zu viel ausgelassen zu haben: Der revolutionäre Prozeß in Portugal nach dem Sturz der Diktatur fand in ihm keinen Autor. Er wird noch gesucht, Robert Gerhardt –