Mehr denn je wird man von allen Seiten dazu aufgefordert, sich eingehend mit dem aktuellen Weltgeschehen zu befassen. Zunehmend werden politische und wirtschaftliche Ereignisse von überall für jeden unmittelbar wichtig. Daraus entsteht sogar ein gewisser Zwang, die sich häufenden Informationen aufzunehmen und die steigenden Informationsmöglichkeiten auszuschöpfen. Die Zeit zum Bücherlesen wird deshalb immer knapper, wenn sie nicht ganz einfach fehlt. Man steht also vor der Entscheidung, ob man sich die Zeit zum Bücherlesen trotzdem nehmen soll auf Kosten von aktuellem Wissen – und diese Entscheidung, so schwierig sie ist, muß jeder für sich allein treffen, und immer wieder neu.

Annegret Johe, 20 Jahre

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Man hat wahrhaftig keine Zeit mehr zum Bücherlesen, wenn man darunter das Lesen von allgemeiner Literatur, nicht Fachliteratur, versteht. Es gibt viel zuviel andere für das heutige Leben wichtige Dinge, mit denen man sich auseinandersetzen muß, so daß man für die Konzentration auf ein Buch den Kopf gar nicht freihaben kann. Das mag bedauerlich sein, aber doch nicht tragisch. Schließlich gibt es so viele andere schnellere Wege, sein Wissen zu vergrößern, daß das Bücherlesen zwar nicht überflüssig, aber doch ersetzbar ist.

Henning Karow, 20 Jahre

Ich finde, daß man noch immer genügend Zeit zum Bücherlesen hat. Die Öffentlichen Bücherhallen sprechen von hohen Ausleihzahlen, und die Neuerscheinungen in Buchhandlungen sind oft schnell vergriffen. Als Schülerin eines Gymnasiums werde ich stark gefordert. Vor allem vor den Versetzungen jagt eine Klassenarbeit die andere, und jede erfordert viel Vorbereitungszeit. Trotzdem lese ich regelmäßig interessante Sachbücher und auch Pferdebücher, weil das Reiten zu meinen Hobbys gehört. Bei den Wochenendausflügen habe ich immer das Buch, das ich gerade lese, bei mir. Aber auch das Fernsehen, das angeblich viele vom Bücherlesen abhält, kommt bei mir nicht zu kurz. Ich lese mir rechtzeitig die Programmzeitschriften durch und treffe meine Auswahl. Ich bin allerdings kein Illustriertenleser.

Heidi von Appen, 13 Jahre