Von Gunhild Freese

Die haben", sagt Wolfgang C. Mellinghoff, Geschäftsführer der jüngst aus einer Dreierfusion entstandenen Elite Margarine und Feinkost GmbH selbstbewußt, "doch starke Wettbewerbsschwierigkeiten". In der Tat, der Branchenriese am Margarine-Markt, die zur Deutschen Unilever gehörende Union Deutsche Lebensmittelwerke GmbH (Marktanteil: gut 50 Prozent), zeigt derzeit leichte Schwächetendenzen. Der Marktanteil – einst auf sicheren 60 Prozent vom Gesamt-Margarinemarkt – schmilzt ab.. "Unsere Marktanteile", räumt Union-Chef Kurt Möck denn auch ein, "steigen nicht, wenn ich mich mal so zart ausdrücken darf."

Deutliches Indiz für die momentane Union-Misere: Der traditionell auf strikte Markenpolitik eingeschworene Margarine-Konzern zeigt sich dem Handel gegenüber konzessionsbereit. Seit gut einem halben Jahr wird auch Union-Margarine (Marken: Rama, Flora soft, Sanella, SB, becel, Du darfst) im Handel in Sonderangeboten offeriert. Diese Aktionen, so erläuterte Kurt Mode dem Branchenblatt Lebensmittel-Zeitung, "fahren wir, um Umsätze zurückzubekommen".

Das Marktverhalten des Branchenführers und die Fusion der Bayerischen Margarine-Werke, der Hamburger Margarine- und Feinkost-Werke von Hinrich Voss sowie der Holsteinischen Margarinewerke Wagner & Co zur Elite Margarine und Feinkost GmbH verdeutlichen, mit welchen Problemen die Margarine-Industrie seit nunmehr einigen Jahren zu leben hat:

  • Stagnation des Gesamtmarktes,
  • Billigimporte,
  • Verlagerung der Marktmacht vom Hersteller zum Handel,
  • Preiskonkurrenz zur Butter.

Erst in der Nachkriegszeit hatte es die Margarine vermocht, sich – dank Qualitätsverbesserungen – vom abträglichen Image des Butter-Ersatzes zu lösen. Mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von 8,4 Kilogramm war die Margarine letztes Jahr das am häufigsten verwendete Nahrungsfett in deutschen Küchen. Die Butter folgt mit 6,7 Kilo, wobei freilich 85 Prozent als Brotaufstrich verwendet wurden. Margarine wird nur zu 40 Prozent aufs Brot geschmiert, der größere Rest zum Backen, Braten und Kochen verbraucht.

Trotz der vielseitigen Verwendungsmöglichkeiten des vorwiegend aus pflanzlichen Fetten gewonnenen Nahrungsfettes ist der Margarine-Verbrauch gleichwohl leicht rückläufig. Während 1960 noch pro Kopf der Bevölkerung elf Kilo im Jahr verzehrt wurden, waren es letztes Jahr nur noch wenig mehr als acht Kilo – eine Folge des zunehmenden Gesundheitsbewußtseins der Bundesbürger. Bis zum Jahre 1970 hatte sich – Spätfolge der Freßwelle – der Verbrauch von Nahrungsfett noch auf knapp 30 Kilogramm pro Kopf und Jahr erhöht. Seither leben die Deutschen immer fettärmer. Letztes Jahr wurden nur noch knapp 28 Kilo Fett verzehrt.