Der hellste Stern am deutschen Börsenhimmel ist gegenwärtig die Aktie der August Thyssen-Hütte AG. – Die Banken haben den Jahresabschluß 1974/75 sowie die Aussichten des laufenden Geschäftsjahres analysiert. Dabei kam das Bankhaus Schröder, Münchmeyer, Hengst & Co zu dem Schluß, daß Thyssen als fünftgrößter Stahlhersteller, der Welt in der Technologie eine Spitzenstellung hält. Der westdeutsche Stahlkonzern benötigt für die Abschreibungen seiner Anlagen zehn Jahre, die Konkurrenz 20 Jahre. Damit trägt Thyssen dem raschen technologischen Wandel in der Branche besser Rechnung als die Konkurrenz. Mit dem Erwerb von Rheinstahl hat sich Thyssen in die Verarbeitung "eingekauft", in der langfristig größere Wachstumschancen als in der reinen Stahlproduktion zu erwarten sind. Münchmeyer, Hengst & Co hält bei Thyssen ein Rekordergebnis für möglich, falls der erwartete Stahlboom "normale" Gewinnmargen ermöglicht.

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Beim deutschen Babcock-Konzern blieb das Auslandsgeschäft stürmisch. Getrübt wird das Bild jedoch durch mangelhafte Kapazitätsauslastung im Inland. – In einem Aktionärsbrief beklagt der Vorstand die Stagnation im konventionellen inländischen Kraftwerksbau und die Ungewißheit über die Realisierungsmöglichkeiten des amtlichen Energieprogramms. Man sei zu "Maßnahmen" gezwungen, um in der Zukunft nachhaltige Einbrüche in der Ertragslage zu vermeiden. Am 30. Juni verfügte der Konzern, an dem der Iran mit 25 Prozent beteiligt ist, über einen Auftragsbestand von 7,34 Milliarden Mark. Das sind 29 Prozent mehr als am Ende des letzten Geschäftsjahres (30. 9. 75). Davon entfallen 67 (51) Prozent auf den Export. Die Aktionäre können wieder mit einer Dividende von 8 Mark auf die Stamm- und 8,50 Mark auf die Vorzugsaktien rechnen.

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Die Deutsche Lufthansa beförderte im ersten Halbjahr 1976 mehr Fluggäste und Fracht. Vor diesem Hintergrund wird der Kursanstieg der Lufthansa-Aktien verständlich. – Nach dem gegenwärtigen Stand wird die Lufthansa für 1976 mit einem steigenden Gewinn aufwarten können. In den ersten sechs Monaten ist die Zahl der beförderten Fluggäste um 10,9 Prozent auf über 5,37 Millionen gestiegen. Das Frachtaufkommen hat sich gegenüber der allerdings ungewöhnlich schlechten Vergleichszeit 1975 sogar um 22,8 Prozent erhöht. Die Postbeförderung wuchs um 8,5 Prozent.

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Die Colonia Versicherungs-AG in Köln wird das Jahr 1976 mit einem deutlich schlechteren Ergebnis abschließen. – Der Grund: Das Unternehmen wurde von Sturmschäden hart getroffen. Vorstandsvorsitzender Dieter Wendelstadt beruhigte die Aktionäre: Die aus diesen Schäden entstehende Nettobelastung von 14 Millionen Mark werde die Gesellschaft nicht umwerfen. Wendelstadt bedauerte, daß es in der Kraftfahrzeug-Haftpflicht-Versicherung in diesem Jahr keinen neuen Tarif gäbe. Dies habe zur Konsequenz, daß die Kraftfahrzeug-Versicherer "wissentlich in den Verlust" getrieben würden. Für 1975 erhalten die Aktionäre eine Dividende von zehn Prozent.