Bei Großunternehmen geht die Konzentration weiter

Von Rudolf Herlt

Peter F. Drucker ist bei seiner Untersuchung der Eigentumsverhältnisse in der amerikanischen Wirtschaft auf eine Überraschung gestoßen: Ein Drittel der Wirtschaft gehört über die Pensionsfonds den Arbeitnehmern (ZEIT Nr. 32). Die deutsche Monopolkommission hat bei ihrer Untersuchung der Eigentumsverhältnisse in der deutschen Wirtschaft nichts Überraschendes zutage gefördert: Die Vermutung, daß sich die wirtschaftliche Macht in immer weniger Händen zusammenballt, so daß sich oft nicht mehr der Leistungsfähigere, sondern der Stärkere durchsetzt, ist bestätigt und statistisch untermauert worden.

Dabei sind allerdings aufschlußreiche Einzelheiten aufgedeckt worden. Wer hat schon gewußt,daß die hundert umsatzstärksten deutschen Unternehmen in erster Linie Anteilseignern gehören, die aus dem Kreis dieser hundert Unternehmen selbst kommen? Wer hatte die Tatsache parat, daß die Banken unter den Eigentümern der hundert größten Unternehmen erst an vierter Stelle kommen? Wem war bewußt, daß die Auslandsbeteiligungen eine viel wichtigere Rolle spielen als der Bankenbesitz? Die Monopolkommission hat in ihrem ersten Zweijahresbericht die Belege dafür geliefert.

Sie hat die hundert umsatzstärksten deutschen Unternehmen für die Jahre 1972 und 1974 ermittelt und hat dabei folgende Erkenntnisse gewonnen :

  • Diese "hundert Größten" erzielten zusammen 1972 Umsätze von rund 327 Milliarden Mark; zwei Jahre später waren es 456 Milliarden Mark.
  • Ihr Anteil am Umsatz der Gesamtwirtschaft wuchs in diesen zwei Jahren von 22 auf 25 Prozent.
  • In der Weltwirtschaft rangieren die deutschen "hundert Größten" auf den Plätzen 20 bis 560, im europäischen Vergleich auf den Plätzen sechs bis 250.
  • Das größte Unternehmen der Weltrangliste, der amerikanische Automobilkonzern General Motors, hat einen fünf- bis sechsmal höheren Umsatz erzielt als das größte deutsche Unternehmen des Jahres 1974, die August Thyssen Hütte AG.
  • Die hundert größten, deutschen Unternehmen werden überwiegend als Kapitalgesellschaften geführt, zumeist als Aktiengesellschaften.

Folge der Elefantenhochzeiten