DIE ZEIT

Arme Schwarze – arme Weiße

Wenn sich ein Arzt ständig in seinen Diagnosen irrt und darum falsche Therapien verordnet, wird seine Klientel ihn verlassen.

Ein Schritt vorwärts

Es war ein junger Chirurg, der sich um Anstellung bewarb, worauf ihm die Gesundheitsbehörde seine Mitgliedschaft in der DKP vorhielt.

Gewaltfreie Grenze

Das vernünftigste Wort zur Bonner DDR-Politik hat bei der Union in den letzten Tagen nicht der Kanzler-Kandidat Kohl gesprochen, der sich in düsteren, wiewohl vagen Sanktionsdrohungen erging – es stammt von dem Berliner CDU-Politiker Lummer.

Schlamperei?

Im letzten Augenblick ist der Verkauf von Konstruktionsplänen für das Mehrzweck-Kampfflugzeug "Tornado" an den Geheimdienst einer fremden Macht verhindert worden.

Der Falsche

Richter Schultz möchte kurz vor seiner Pensionierung noch befördert werden. Er hat sich um den Posten eines Vorsitzenden Richters am Hamburger Oberlandesgericht beworben.

Uneinig bis zum letzten Augenblick

Die Beifallsstürme hielten sich die Waage, als am Eröffnungstage des republikanischen Parteikonvents auf der einen Seite des Ovals Nancy Reagan und Familienanhang Beobachterposten bezogen und zur gleichen Zeit auf der anderen Seite der Arena die Ford-Familie Einzug hielt.

Zeitspiegel

Nach Schätzungen des Weltkirchenrates gibt es rund vier Millionen Flüchtlinge in aller Welt. Die Intensivierung des Befreiungskampfes im südlichen Afrika treibt diese Zahl noch in die Höhe.

Washington will nicht, das Kernkraftwerke mit komplettem Brennstoffzyklus ins Ausland geliefert werden. Zwischen Frankreich und Amerika herrscht Verstimmung. Auch Bonn muß sich betroffen fühlen: Ist der Atomteufel aus der Flasche?

Amerika hat ein alarmierendes Drehbuch für das Jahr 1990 entworfen: In der Dritten Welt wird dann beim Betrieb der dort schon gebauten und noch geplanten Kernkraftwerke so viel Plutonium anfallen, daß davon alljährlich 3000 Atombomben à la Hiroshima hergestellt werden könnten.

Steuert Moskau einen neuen Berlin-Konflikt an?

Zuversichtlich kam Staatssekretär Gaus, der Bonner Vertreter in Ost-Berlin, von seinem Gespräch mit Erich Honecker zurück. Der SED-Chef hatte ihm, einen Tag vor dem 13, August, den Eindruck vermittelt, daß die DDR an einer Eskalation des Konflikts zwischen beiden deutschen Staaten nicht interessiert sei, sondern auf eine normale Entwicklung vor allem der Handelsbeziehungen hoffe.

Menschenrechte, Einmischung und Entspannung

Ziel der Wiedervereinigung festhält, stellt die Unverletzlichkeit der Grenze nicht in Frage. Denn die Wiedervereinigung wird lediglich als politisches Fernziel und nur mittels friedlicher internationaler Vereinbarungen angestrebt.

Wolf gang Ebert: Tauben und Falken

Tauben: Genossen, Ihr habt wieder mal Mist gebaut. Die paar Busse mit Provokateuren hätten ja wohl nicht gerade den Bestand unserer Republik gefährdet.

Klar zum letzten Gefecht

Sechs Wochen vor dem Wahltag, ist der Aufmarsch für die heiße Phase der Stimmenschlacht so gut wie abgeschlossen. Die Generalstabspläne sind fertig, das Fußvolk ist in seine Ausgangsstellungen eingerückt.

Sanftes Säuseln aus Hanoi

Sanft, zierlich, bescheiden – so betrat der vietnamesische Ministerpräsident Pham Van Dong die Festhalle der Blockfreien-Konferenz in Colombo.

PLO-Chef Arafat: Schwarzer August

Zwei Säulen auf der arabischen Seite des Nahostkonfliktes, die bisher als stabil galten, sind zu Bruch gegangen: das pluralistische Staatsgebilde Libanon und die Sammlungsbewegung der anti-israelischen Widerständler, die Palästinensische Befreiungsorganisation des Jassir Arafat.

Teuer und hoch zu Roß

Unvermeidlich hat der Hinweis des Kanzleramtschefs Manfred Schüler im Spiegel, daß nach der Bundestagswahl in der Regierungszentrale wieder ein ausschließlich für die Deutschland- und Ostpolitik zuständiger Staatssekretär installiert werden solle, Spekulationen an der Bonner Personalbörse ausgelöst.

Wende der Blockfreien?

Auf der fünften Gipfelkonferenz der sogenannten Blockfreien in Colombo stand abermals die Neuordnung der Weltwirtschaft zur Diskussion.

Der Tod von Ulrike Meinhof: Es war ein "klassischer Selbstmord"

Die britische Sonntagszeitung "Observer" stellte in ihrer letzten Ausgabe unter der Schlagzeile: "Wurde Ulrike Meinhof vergewaltigt und erwürgt?" eine Reihe von Behauptungen auf, die geeignet sind, Zweifel an der offiziellen deutschen Version zu wecken, die Terroristen-Chefin habe in ihrer Stammheimer Gefängniszelle Selbstmord begangen.

Wirbel um "Tornado"

Als das Geheimnis, das seit über zwei Wochen gut gehütet schien, gelüftet war, handelten alle beteiligten Ämter nach alter Art: Sie machten die Schotten dicht.

Carter 1976: "Wir haben zu viele Admiräle"

"Wir könnnen unsere Militärausgaben jährlich um fünf bis sieben Milliarden Dollar kürzen, ohne die Verteidigung unserer Nation oder unsere Verpflichtungen gegenüber den Verbündeten zu gefährden.

Kollekte für den RCDS

Die Linksextremisten an den Hochschulen richten ihre Angriffe gegen die Grundfesten unserer demokratischen Ordnung. An einer Reihe von Hochschulen haben sie den Lehrkörper bereits unterwandert und dadurch wesentlichen Einfluß auf die politische Orientierung der künftigen Akademiker gewonnen.

Ein deutscher Alptraum

Kooperation, nicht Konfrontation" – so lautet das Leitwort der deutschen Politik gegenüber der Dritten Welt. Mit gutem Grund.

Ist Wohlstand Diebstahl?

Fast dankbar und auf jeden Fall erleichtert würde im Westen zur Kenntnis genommen, daß Frau Bandaranaike, Regierungschefin von Sri Lanka (Ceylon), bei der Eröffnung der Konferenz der blockfreien Länder in ihrer Hauptstadt gemäßigte Töne anschlug und den Industriestaaten "Kooperation statt Konfrontation" anbot.

Des Kranichs goldene Eier

Auch Hermann J. Abs ist nicht unfehlbar. Vor einigen Jahren prophezeite Deutschlands prominentester Bankier: Wenn die Mark gegenüber dem Dollar aufgewertet werde, dann bleibe die Lufthansa ewig in den roten Zahlen, denn Flugpreise werden in Dollar berechnet.

Iran: Biete Öl, suche Flugzeuge

Der Tauschhandel, Relikt vergangener Zeiten, erlebt eine neue Blüte. Bislang waren lediglich devisenarme Ostblockstaaten darauf angewiesen, einen Teil ihrer Importe mit Naturalien und Maschinen zu bezahlen; nun entdeckte auch der Schah in Teheran die sogenannten "Barter-Deals".

BONNER KULISSE

Je näher die kommende Legislaturperiode rückt, desto intensiver denken manche Bonner Politiker über drängende innenpolitische Probleme nach, die noch vor kurzem als indiskutabel galten.

Der Not gehorchend...

Die SED ist offenbar zu der Erkenntnis gekommen, daß die Versorgung der Bevölkerung nicht zu sichern ist, wenn nicht die sogenannten "Muttermale der alten Gesellschaft" noch eine ganze Weile pfleglich behandelt anstatt wegoperiert werden.

,,mehr wert"-Pleite: Konkurs des Konkurses

Schön Anfang dieser Woche gab sich der Treuhänder resigniert. "Wir fahren auf einem Fahrrad einem Jet hinterher", klagte Rechtsanwalt Joachim Kilger über das Konkursrecht aus dem vergangenen Jahrhundert, mit dem er die größte Pleite im deutschen Einzelhandel seit dem Kriege in den Griff bekommen soll: den Zusammenbruch der Hamburger Verbrauchermarkt-Kette SB "mehr wert" (siehe ZEIT Nr.

Kein Glück mit den Preisen

Zum Schaden muß Frankreichs drittgrößtes Privatunternehmen, der Chemiekonzern Rhône-Poulenc, auch noch die Vorwürfe ertragen.

Leben die Hühner noch?

Ja ist denn das menschenmöglich", entsetzte sich Blick, helvetisches Pendant zur Bild-Zeitung. Nachdem er zunächst fast einen Monat zur Giftkatastrophe in Seveso bei der zum Hoffmann-La-Roche-Konzern gehörenden ICMESA geschwiegen hatte, bequemte sich der Präsident des Verwaltungsrates, Adolf W.

Amerikaner tuten ins Posthorn

Bundespostminister Kurt Gescheidles Plan, das Personal der Deutschen Bundespost um 50 000 Köpfe zu vermindern, hat seit Montag dieser Woche noch bessere Chancen als zuvor, in Erfüllung zu gehen.

Was man vom Bausparen wissen muß

Bei den deutschen Bausparkassen ist das Neugeschäft kein Selbstgänger mehr. Der stufenweise Abbau der Sparförderung hat den Kreis der Bauspar-Interessierten schrumpfen lassen.

ZEIT spart Geld

Für hoch verdienende Lohnsteuerpflichtige ist die Frage, ob sich die Beteiligung an einer steuerbegünstigten Kapitalanlage lohnt, unter ganz besonderen Umständen zu prüfen.

Firmen und Fakten

Obwohl der Zwischenbericht für das II. Quartal 1976 eine merkliche Lageverbesserung erkennen läßt und möglicherweise im III.

Ein gefährliches Gesetz

In den Vereinigten Staaten sind verschiedene Seiten seit Jahren bemüht, die in den USA tätigen Auslandsbanken durch ein Bundesgesetz stärker "anzubinden".

Devisen-Seller

Eine der härtesten Währungen der Welt – dieses Prädikat hat die Deutsche Mark während der letzten vier Wochen erneut unter Beweis gestellt.

Die Aufsicht verschärfen

Schlecht: Ich glaube ja. Zwar gehören Pionierunternehmen und scharfer Wettbewerb zur Marktwirtschaft, und es ist nicht unsere Aufgabe, eine Politik der Strukturkonservierung gegen die Marktentwicklung und gegen Änderungen der Verbrauchergewohnheiten zu betreiben.

BUCH DER WOCHE

Sie waren nie die Reichsten und gewiß auch nie die Mächtigsten. Aber lange Zeit war ihr Name Symbol für die Verbindung von Reichtum und Macht – "die Rockefellers" waren die kapitalistische Familie par excellence.

ZEITRAFFER

Dem modischen "Rohstoff-Pessimismus" trat das angesehene Berliner Institut für Wirtschaftsforschung entgegen: Die Entdeckung sicherer oder wahrscheinlicher Vorkommen stieg bei fast allen wichtigen Rohstoffen in den letzten zehn Jahren weit rascher als der Verbrauch.

MANAGER UND MÄRKTE

Professor Matthias Schmitt, der im Rahmen der AEG/Telefunken-Neuordnung als Vorstandsmitglied des Konzerns ausgeschieden ist, ihm aber weiterhin "beratend" zur Seite steht, erscheint im Impressum des Schweizer Finanzblattes "Finanz und Wirtschaft" als "ständiger Mitarbeiter".

Die Renaissance der Mercure

Frankreichs Flugzeugindustrie macht es der Computer-Branche nach. Gerade erst war die CII (Compagnie Internationale pour l’Informatique) aus dem europäischen Kooperationsverband Unidata ausgeschieden, um sich dem amerikanischen Elektronik-Konzern Honeywell anzuschließen.

Abschied von gestern

Da ist gar nichts dran." Flick-Geschäftsführer Eberhard von Brauchitsch hat Mühe, seinen Unmut zu verbergen. Es ärgert ihn, immer wieder gefragt zu werden, ob sich Flick nach und nach aus der Bundesrepublik zurückziehe.

Wer durchhält, steigt höher

Der neunjährige Werner war kein schlechter Schüler. Nach dem Tode seines Vaters und der Wiederheirat seiner Mutter mit einem ihm nicht wohlgesonnenen Witwer nahmen seine Leistungen in der Schule allerdings rapide ab.

Geklitterte Geschichte

Nur weil sich aus dem antisemitischen Hetzwerk "Protokolle der Weisen von Zion" auch so etwas wie eine Zukunftsvision des Dritten Reiches herauslesen läßt (warum auch nicht?); nur weil im Talmud Nichtjuden mit Tieren gleichgestellt werden (wie Paul de Lagarde Juden mit Trichinen verglich); nur weil, ganz allgemein, im Preußentum und Judentum nationalistische Überheblichkeit vorkommen (in anderen Ideologien etwa nicht?) – nur darum also soll es angeblich so etwas geben wie eine Doppelgängerschaft von Deutschen und Juden, genauer wohl: von Deutschen und Israelis.

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