Zu Beginn dieser Woche ist der 186. Starfighter der Luftwaffe abgestürzt. Abgesehen davon, scheint die Lockheed-Welt in der Bundesrepublik noch in Ordnung zu sein. Das muß jedoch nicht so bleiben. Der Staatssekretär aus dem Bundesjustizministerium, Günther Erkel, soll bald nach Amerika reisen, um den Amerikanern umfangreiches Material abzuhandeln, das endgültig klären könnte, ob die deutsche Starfighter-Version von lauter Saubermännern beschafft wurde.

Zweifel, ob es bei der Beschaffung des umstrittenen Flugzeugs nicht auch bei uns recht levantinisch zugegangen ist, gibt es seit langem. Ende 1975, Anfang 1976 waren massive Vorwürfe gegen Franz Josef Strauß erhoben worden: Die CSU und Strauß als verantwortlicher Verteidigungsminister hätten von der Firma Lockheed Geld für die Förderung ihres Produkts in Deutschland bekommen. Den Verdacht hatte der frühere Strauß-Freund und ehemalige Lockheed-Lobbyist Ernest Felix Hauser amerikanischen Untersuchungsbehörden gegenüber ausgesprochen. Er garnierte seine Anschuldigungen mit Briefen sehr wohlwollenden Inhalts, die Strauß ihm geschrieben hatte, und mit Tagebuchnotizen, die Hauser in glücklicheren Bonner Zeiten geschrieben haben will.

Die "Affäre" schlummerte indes wieder ein. Strauß tat Hausers Erzählungen ab als "Erfindungen eines Mannes, der in der Bundesrepublik als Schwindler überführt und verurteilt worden ist". Aber nicht allein die frühere Verurteilung Hausers wegen Untreue und Urkundenfälschung in der Bundesrepublik erschütterten seine Aussagen. Widersprüche in seinen Berichten hielten einer näheren Durchleuchtung nicht stand. Der Stern überführte ihn der Fälschung.

Gleichwohl blieb das Kanzleramt am Thema. Mit den Amerikanern wurde weiter über die Herausgabe der kompletten Lockheed-Akten verhandelt, einschließlich deren nichtöffentlicher Teile. Man kam einem bilateralen Rechtsabkommen sehr nahe. Die US-Behörden sind bereit, die Unterlagen herauszugeben, sofern sie ausschließlich für strafrechtlich relevante Zwecke verwendet würden. Das aber genügt Bonn nicht. Selbst wenn die Akten Beweismaterial enthielten, wäre damit nichts anzufangen, weil eventuelle Straftaten längst verjährt wären. Im Bonner Kanzleramt ist man indes der Meinung, Mißstände bei der Beschaffung seien auch politisch relevant – etwa Zahlungen an Parteien.

Dieser Kurs war seit längerem beschlossen und hat mit dem Wahlkampf nichts zu tun. Selbst wenn sich Erkel mit den US-Behörden einigte, ein Abkommen unterzeichnete und die Akten sofort nach Bonn mitbrächte, ließe sich das Material für Wahlkampfzwecke nicht mehr ausschlachten. Das Studium von 30 000 Aktenblättern benötigte Wochen und Monate.

Die einzige Neuigkeit derzeit steht im Bericht der holländischen Untersuchungskommission. Danach haben die Starfighter-Beschaffer im Nachbarland unter dem Druck des damaligen Verteidigungsministers Franz Josef Strauß gestanden, der 1959 zweimal mit seinem holländischen Amtskollegen zusammengetroffen ist. Aber für diesen Druck gibt es einleuchtende militärische Argumente – vor allen Dingen das Streben nach Standardisierung der Nato-Luftwaffen, die im Kriegsfalle die Bundesrepublik verteidigen müßten. Wolf gang Hoffmann