Wortreich, hat sich die Bundesregierung zu den jüngsten Meldungen über einen stabilitätspolitischen Konflikt zwischen ihr und der Bundesbank geäußert; doch bestritten hat sie ihn letztlich doch nicht. Nach diesen Berichten reibt sich die Bundesbank am Dissens zwischen der These ihres Präsidenten Karl Klasen, daß Preissteigerungen mit einer "Drei vor dem Komma" möglich seien, und der den neuesten Steuerschätzungen zugrunde gelegten Preissteigerungs-Annahme von über vier Prozent im nächsten Jahr; deshalb habe die Bundesbank ihrem Vertreter im amtlichen "Arbeitskreis Steuerschätzungen", Robert Fecht, entgegen den bisherigen Usancen keine eigene Schätzung mit in die Sitzung gegeben. Diese Zurückhaltung des Bundesbank-Emissärs leugnet auch der Bonner

Finanz-Abteilungsleiter Manfred Lahnstein nicht; er bedenkt sie mit keinem Wort. Er betont lediglich, Fecht habe sich an der gemeinsamen Diskussion der Steuerschätzer beteiligt.

Unterdessen hat freilich das Bundeswirtschaftsministerium betont, daß es sich bei den Zahlen über die volkswirtschaftliche Entwicklung, die der neuen Steuerschätzung zugrunde liegen, nicht um Zieldaten ("Projektionen"), sondern nur um "bedingte Prognosen" handele. Mehr noch: Auch Minister Hans Friderichs halte im kommenden Jahr "weitere stabilitätspolitische Fortschritte – insbesondere bei den Verbraucherpreisen – für wünschenswert und möglich". Diese Äußerung läßt vermuten, daß auch Friderichs eine "Drei vor dem Komma" anstrebt. Der Streit zwischen Klasen und der Bundesregierung scheint demnach wenig begründet zu sein.

Für Schmunzeln und Verwunderung sorgten in der Bundeshauptstadt Gerüchte, wonach Wilhelm Hankel, zu Zeiten Karl Schillers Währungs- und Kreditexperte des Bundeswirtschaftsministeriums und danach erfolgloser Chef der Hessischen Landesbank, "dem Vernehmen nach ... in diesem Herbst" (Süddeutsche Zeitung) an der Frankfurter Universität den Lehrstuhl für ländliche Strukturforschung" übernehmen werde. Diese Gerüchte sind nach den Worten Werner Meißners, des Dekans der Frankfurter Wirtschafts-Fakultät, "schlichter Unsinn": Bislang liege nur eine Bewerbung Hankels (und anderer Kandidaten) für eine ordentliche Professur für Außenwirtschaft und Ökonomie der Entwicklungsländer vor, über die im Laufe des Winters überhaupt erst entschieden werde. Am Institut für ländliche Strukturforschung aber, das derzeit noch von dem renommierten Agrarwissenschaftler Hermann Priebe geleitet wird, hat weder der fachfremde Hankel Interesse gezeigt noch dieses an ihm.

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Sollen die Grundstücksbesitzer, an denen gerade erst der Kelch eines "Planungswertausgleichs" noch einmal vorübergegangen ist, in den kommenden Jahren durch höhere Erschließungsabgaben zur Kasse gebeten werden? Wohnungsbauminister Karl Ravens bestreitet solche Gerüchte ganz entschieden; zusätzliche Belastungen kämen "definitiv", so das Ravens-Ministerium, nicht in Frage. Doch den rührigen Martin Oschmann von dem den privaten Bausparkassen nahestehenden Institut für Städtebau und Wohnungswesen fechten die amtlichen Dementis nicht an. In der amtlichen Nachricht, daß ein ministerieller Arbeitskreis unter der Leitung des Westberliner Senatsdirigenten Hans Förster Modelle erarbeitet hat, die es den Gemeinden erleichtern sollen, das bislang wenig praktikable Erschließungsrecht besser zu hantieren, sieht Oschmann nur einen vorgeschobenen Anlaß.

Tatsächlich, so Oschmann, stehe hinter diesen Modellen die Absicht, die Grundstückseigentümer, die bislang nur einen Teil der tatsächlichen Erschließungslast zu tragen haben, stärker heranzuziehen. Bislang zahlen sie nur ihren Anteil an den Entstehungskosten von Straßen und ähnlichem, und auch dies nur zu höchstens neunzig Prozent. Die Gemeinden aber wollten hundert Prozent – auch von Kosten späterer Erneuerungen und Reparaturen. Ob es dazu kommen wird, steht noch dahin – jedenfalls soll Minister Ravens mit den bisher erarbeiteten Förster-Modellen nicht zufrieden sein.