"Wir schüttelten 600 000 Hände

(IV. Folge und Schluß)

Im Frühjahr 1966 meldete ich meine Kandidatur für den Kongreß an und begann mit einem wohldurchdachten, ganz auf die Nähe zum Bürger abgestellten Wahlkampf. Tag für Tag verbrachte ich mehrere Stunden in meinem Wahlbezirk, sprach mit möglichst vielen Menschen, hielt ein oder zwei Reden und verschaffte mir einen Eindruck davon, welche Probleme den Wählern besonders unter den Nägeln brannten. Jeden Abend brachte ich eine Liste mit Namen und Adressen mit nach Haus. Und für jeden einzelnen, der auf dieser Liste stand, tippten meine Frau Rosalynn, meine Schwester Gloria und ich eine individuell abgefaßte Notiz. Ich hatte das Gefühl, daß wir mit diesem Wahlkampf gut vorankamen, wenn auch der Republikaner Callaway nach wie vor der große Favorit war.

Dann zog sich der demokratische Kandidat für das Gouverneursamt nach einem leichten Herzanfall aus dem Rennen zurück, und der Kongreßabgeordnete Callaway bewarb sich um diesen Posten. Damit rückte für mich ein Sitz im Kongreß in greifbare Nähe, zumal eine Meinungsumfrage ergab, daß Callaway alle Chancen hatte, Gouverneur zu werden.

Viele Demokraten waren damals bereit, den Republikanern das Amt des Gouverneurs zu überlassen. Es gab freilich – besonders unter den Jüngeren – auch viele, die anders dachten. Und einige von ihnen waren überzeugt, daß ich der einzige sei, der bereit und vielleicht auch in der Lage sein könnte, Callaway den Weg zu versperren.

Es war keine leichte Entscheidung, vor die ich mich gestellt sah. Ganze drei Monate blieben noch bis zur Vorwahl in Georgia, und ich war so gut wie unbekannt in diesem Staat. Außerdem schien mir der Sitz im Kongreß bereits sicher, und Callaway galt selbst unter Demokraten als unschlagbar. Trotz allem beschloß ich, mich um das Gouverneursamt zu bewerben.

Mitsamt meiner Familie stürzte ich mich in einen hektischen Wahlkampf. In weiten Teilen von Georgia fingen wir dabei praktisch ohne jede Unterstützung an. Ich war so unbekannt, daß ein paar Journalisten mir den Namen "Jimmy Who?" verpaßten: Jimmy-Wer? Wir riefen all unsere Anhänger auf, sich an einem Sonntagnachmittag in Atlanta zu versammeln; nicht mehr als eine Handvoll ließ sich blicken. Dennoch hielten wir an unseren sonntäglichen Versammlungen fest, und von Mal zu Mal wuchs die Zahl der Teilnehmer. Rosalynn, ich, meine Mutter und unsere Söhne kämpften getrennt voneinander, und wir konnten uns immer weiter nach vorn schieben.