Von Felix Spies

Freundlich orange und blau präsentiert sich der eine; in warmem Gold und Rot prunkt der andere. Ihre geschäftlichen Prognosen jedoch sind monochrom: Agfa-Gevaert wie Kodak sehen vor der 14. photokina, der nächste Woche beginnenden "Weltmesse der Photographie" in Köln, für den Photoumsatz 1976 gedämpft rosa, für den Photogewinn freilich eher grau.

Die beiden Konzerne müssen es wissen. Denn auf dem Markt für Photoapparate und Filmkameras, Farbfilme und Photopapier sind sie in Deutschland bei weitem die größten. Die Agfa-Gevaert AG in Leverkusen, deutscher Teil der belgisch-deutschen Agfa-Gevaert-Gruppe, macht rund eineinhalb Milliarden Mark Umsatz. Die Kodak AG in Stuttgart, drittgrößte Tochter der amerikanischen Eastman Kodak Company, bringt es auf knapp 570 Millionen Mark. Der Rest der Konkurrenz rangiert – gemessen am Gesamtumsatz der deutschen Photoindustrie von knapp drei Milliarden Mark – unter ferner liefen. Kodak-Sprecher Karl Steinorth gibt unumwunden zu: "Das ist ein Oligopol."

Das Lichtbild-Oligopol hat indes seine Besonderheiten. Nicht Agfa nämlich, das umsatzstärkere Unternehmen, setzt in der deutschen Amateurphotographie Licht und Schatten, sondern die kleinere Kodak AG aus Stuttgart.

Zwar -mangelt es auch Agfa nicht an industrieller Potenz: Mit dem belgischen Teil hat die Agfa-Gevaert-Gruppe (33 300 Beschäftigte) fast soviel Umsatz, wie die deutsche Photoindustrie zusammen. Aber mit der Marktmacht und Technologie des weltweit größten Photo-Konzerns im Rücken, ist die schwäbische Tochter der Eastman Kodak Company (12,6 Milliarden Mark Umsatz, 124 000 Beschäftigte) in Deutschland trotzdem Nummer eins.

Ohne Zögern sagt selbst Friedrich-Wilhelm Rabenschlag, im Agfa-Gevaert-Vorstand für Verkauf und Marketing zuständig: "Kodak ist natürlich Marktführer."

So viel Respekt vor der Tochter des "großen gelben Vaters" (wie Kodak von seiner amerikanischen Konkurrenz respektvoll tituliert wird) hatten die Agfa-Leute nicht von Anfang an. Als 1963 der great yellow father aus Rochester im Staate New York sein neuartiges Kassetten-Kamera-System "Instamatic 126" auf den deutschen Markt warf, leistete Leverkusen noch erbittert Gegenwehr.