Von Wolf gang Hof mann

Der Schnelle Brüter (SBR) wird mit Uran oder Plutonium betrieben. In jedem Reaktor findet die Umwandlung eines Teils des nicht spaltbaren Uranisotops 238 U in das spaltbare Plutonium 239 Pu statt. Dabei erzeugt der Schnelle Brüter neben der nutzbaren Wärme mehr spaltbares Material als zu seinem eigenen Betrieb erforderlich ist. Schnelle Brüter würden auf die Dauer die teuren und energiepressenden Anlagen zur Urananreicherung überflüssig machen.

Der gasgekühlte Hochtemperatur-Reaktor (HTR) wird mit hochangereichertem Uran zusammen mit Thorium betrieben. Als Kühlmittel dient ein Gas, Helium oder Kohlendioxyd. Es wird bei diesem Reaktortyp auf sehr hohe Temperatur gebracht. Je höher aber die Temperatur, desto günstiger ist der Wirkungsgrad, der sich bei der Umwandlung von Wärme in Elektrizität erreichen läßt.

Für Hans Matthöfer geht es darum, ob er als ein erfolgreicher oder ein glückloser Forschungsminister in die Geschichte eingeht. Für die deutsche Kernenergiewirtschaft geht es darum, ob sie weiterhin in der Spitzengruppe der Industrienationen bleibt: Noch bis zum Jahresende soll geklärt werden, ob die Amerikaner bereit sind, zusammen mit den Deutschen ein Reaktorsystem weiter zu entwickeln, das nach Ansicht von Fachleuten in kurzer Zeit hohe Wirtschaftlichkeit verspricht, der Hochtemperaturreaktor (HTR).

Mit seinem französischen Ministerkollegen Michel d’Ornano hat Matthöfer bereits im Februar vereinbart, neue Reaktorsysteme künftig gemeinsam zu entwickeln. Der in Nizza geschlossene Pakt hat jedoch einen Schönheitsfehler: Er bevorzugt die von den Franzosen favorisierte Reaktortechnik der Schnellen Brüter.

Wie die meisten Atommächte hat Frankreich sich sehr früh auf die Entwicklung von Schnell len Brutreaktoren (SBR) konzentriert. Ein Prototyp bei Marcoute zur Erzeugung von 300-Megawatt Strom – Phönix getauft – läuft bereits mit gutem Erfolg. In der Bundesrepublik wird zwar auch an dieser Technik gearbeitet, doch werden brauchbare Erfahrungen erst zu Beginn der achtziger Jahre vorliegen. Frankreich hingegen kann und will bereits in diesem Jahr mit dem Bau eines Kraftwerkes auf Brüterbasis beginnen. Und nach dem Nizza-Abkommen werden sich Bonn und deutsche Firmen daran beteiligen.

Nichts spricht dagegen, Wissen und Erfahrung beider Länder über Schnelle Brüter in einen Topf zu werfen; denn die Erfahrung der letzten Jahre hat gelehrt, daß ein Land allein überfordert ist, technologische Großprojekte solcher Art zu verwirklichen. Immerhin kalkuliert man im Forschungsministerium die Kosten für die Entwicklung eines Schnellen Brüters nach dem heutigen Preisniveau auf zweieinhalb Milliarden Mark. Auf rund eineinhalb Milliarden Mark wird die Hochtemperaturreaktor-Entwicklung veranschlagt.