Nicht einmal mehr auf das Gold ist Verlaß: Mitte Juli bekam jemand, der eine Unze davon in bares Geld verwandeln wollte, nur noch halb so viel wie noch vor zwei Jahren, für 31,1 Gramm nur noch 105 statt 195 Mark. Während die Sachverständigen die aufgewiegelten Goldbesitzer momentan mit dem Rat besänftigen, fürs erste geduldig auf ihrem Schatz sitzen zu bleiben, weiß ich eine andere Ablenkung: Sie könnten die Zeit nutzen und sich statt über die finanziellen über die vielen anderen Werte informieren, die dem Metall beigemessen zu werden pflegen, sich also von der Physik zur Metaphysik der schillernden Substanz zuwenden. Dies und vieles mehr ist in einem prächtigen Band versammelt, der auch seinen Wert hat und ihn auch zeigt, ein Foliant mit dem Titel: "Das Buch vom Gold" (Verlag G. J. Bucher, Frankfurt, 1975; 288 S., viele Abb., 138,– DM). Acht Autoren schreiben darin schlechtweg "alles über Gold", über die mythologischen Geheimnisse dieser von jeher gefeierten, auch psychologisch deutbaren Substanz, über den Goldrausch als einen Anlaß für die Entdeckung der Erde, über den Glanz, den Fluch, den Wert, die Nützlichkeit des Goldes, über das edle Metall als Ausgangspunkt anderer edler Gegenstände, für Schmuck jeglicher Art und als Zahlungsmittel. Neben dem Goldsucher, dem Goldspekulanten, dem Goldindustriellen kommt auch der Handwerker zu Ehren, der "Goldschmied von Ur bis heute". Ein "goldenes Abc" mit vielen Stichwörtern, ein opulentes Register und ein Literaturverzeichnis geben dem schön gemachten Buch den letzten Schliff. Es versteht sich von selber, daß das leicht lesbare Buch seinen Glanz erst durch die zahlreichen Illustrationen erhält. Sein Wert, dünkt mich, ist zur Zeit seiner "Demonetarisierung" beständiger als der seines Gegenstandes – er verlangt die Umwandlung eines nicht einmal 13 Gramm schweren Barrens. Manfred Sack