Sehenswert

"Shock Corridor" von Samuel Fuller. Der bereits vor dreizehn Jahren gedrehte Psycho-Thriller erscheint jetzt endlich auch auf den Spielplänen unserer Kinos. Die Geschichte eines Journalisten, der eine Geisteskrankheit simuliert, um sich in eine Heilanstalt einweisen zu lassen und so einen Mord aufzuklären, war der sechzehnte Film des "authentischen amerikanischen Primitiven" Fuller. Wie fast alle seine Filme hat ihn der ehemalige Kriminalreporter selbst geschrieben und produziert. Kino als "Schlachtfeld der Emotionen": So hat Fuller in einem kurzen Gastauftritt in Godards "Pierrot le fou" seine Perspektive formuliert. Und mit explosiver Kraft zeichnet Fuller die Anstaltsszenerie als ein brodelndes Inferno aktueller amerikanischer Obsessionen. In Szenen von kruder Sinnlichkeit brechen Rassenhaß und Aufrüstungsirrsinn, Leistungsfetischismus, Männlichkeitswahn und fanatischer Individualismus durch die Oberfläche eines rasanten, handfesten Genrefilms.

Dürftig

"Die Sklavenhölle der Mandingos" von Steve Carver. Der US-Staat Louisiana im Jahre 1840: In der Hochblüte des Sklavenhandels werden Mandingos, Abkömmlinge eines Sudannegerstammes, von Plantagenbesitzern als Kampf- und Lustsklaven wie Vieh gezüchtet. Unter dem Deckmantel eines kritischen Beitrages zu einem dunklen Kapitel amerikanischer Geschichte hat sich bereits Hollywood-Routinier Richard Fleischer in "Mandingo" mit dem spekulativ-spektakulären Thema beschäftigt, ein schauriges Kinorührstück angerichtet. "Mandingo"-Produzent Dino de Laurentiis schlachtet jetzt die Story zum zweiten Male aus. Doch da, wo Fleischer immerhin noch einige Ansätze zu einem diskutablen Film zu Wege brachte, versagt Fortsetzungsregisseur Carver fast völlig. Die platte Inszenierung mit blutigen Auspeitschungen, brutalen Zweikämpfen und Bordellszenen reichlich garniert, versucht vergebens, mangelnde Substanz durch Materialaufwand zu ersetzen.

Ärgerlich

"Je t’aime" von Serge Gainsbourg. Irgendwann ist dem Duo Jane Birkin/Serge Gainsbourg leider ihr jahrealter Stöhn-Hit "Je t’aime" wieder eingefallen. Und mit dürftigem Einfallsreichtum, der vielleicht gerade noch für einen Kurzfilm gelangt hätte, transponiert Chansonnier Gainsbourg das Plattenerfolgsrezept ins Medium Film. Mit unerträglichen Kameramätzchen und einem aufdringlichen Werbechic imitiert Gainsbourg in seinem Soft-Porno fünfzehn Jahre alte Ideen amerikanischer Undergroundfilmer, die er außerdem noch schlecht verstanden hat. Selbst eine Müllkippe sieht bei Gainsbourg aus wie dekorativer Schmutz.

Empfehlenswerte Filme

"Kleiner Micky – Große Maus" von Walt Disney. "Familiengrab" von Alfred Hitchcock. "Der Mann, der vom Himmel fiel" von Nicolas Roeg. "Graf Zaroff – Genie des Bösen" von Ernest Beaumont Schoedsack. Bodo Fründt