Viel Wirbel hat das von AEG-Telefunken an die Aktionäre der Hartmann & Braun AG gerichtete Übernahmeangebot gemacht.

Nach Veröffentlichung der Offerte stürzten die Kurse der Stammaktien von Hartmann & Braun (Meß- und Regeltechnik) von 430 auf 340 Mark, die der Vorzugsaktien von 315 auf 295. Die AEG bietet für die Stammaktien nämlich nur 330 Mark und übernimmt nur solche Vorzugsaktien zum Preis von 420 Mark, die seit dem 9. März 1968 ihren Besitzer nicht gewechselt haben. Die Bevorzugung dieser Vorzugsaktien ergibt sich aus einem bis dahin geheimgehaltenen Vertrag, der zwischen der AEG und dem Aktionärspool von Hartmann & Braun 1968 abgeschlossen worden war. Der Pool besteht aus den Gründerfamilien der Gesellschaft und ihren Nachkommen. Bisher besaßen sie bei Hartmann & Braun die Mehrheit. Heute sieht der Pool die AEG-Offerte als unzureichend an. Ob er deshalb seine Aktien der AEG andienen wird, ist zweifelhaft. Die AEG ihrerseits wird aber drei Millionen Mark neuer Hartmann & Braun-Aktien zum Preis von 500 Mark übernehmen und danach bei der Gesellschaft über einen Beteiligungsanteil von 46 Prozent verfügen. An eine Aufbesserung ihres Übernahmeangebots denkt die AEG nach den Worten ihres Vorstandsvorsitzenden nicht: "Ich bin nicht der heilige Nikolaus!"

*

An der Frankfurter Wertpapierbörse wurde die Notierung der Aktien und Partizipationsscheine sowie der Wandelanleihe der Juvena Holding AG, Volketswil, eingestellt.

Damit ist zum erstenmal in Frankfurt die Zulassung eines ausländischen Wertpapiers zurückgenommen worden. Die Juvena-Papiere starteten in Frankfurt 1971.1973 erreichten die Aktien im Nennwert von je 200 sfr mit 2340 Mark den höchsten Kurs. Wegen der Verluste bei Juvena mußte das Kapital halbiert werden. Der Nennwert der Juvena-Aktie beträgt seither nur noch 100 sfr. Die letzte Notiz in Frankfurt für dieses Papier lautete 120 Mark. Zur Sanierung des angeschlagenen Konzerns sucht man einen starken Partner. Konzernchef Max W. Flückiger, erst November 1975 ins Amt gekommen, ist im Juli 1976 bereits wieder ausgeschieden.

Für die Werkzeugmaschinenfabrik Gildemeister AG ist die Durststrecke noch nicht zu Ende.

Während das Unternehmen 1974 eine Steigerung des Auftragseinganges von 66 Prozent buchen konnte, gab es im vergangenen Jahr ein Minus von 26 Prozent. Im I. Halbjahr 1976 sind die Auftragseingänge gegenüber der Vergleichszeit des Vorjahres weiter um 29 Prozent gesunken. Neue Kurzarbeit wird nicht länger ausgeschlossen. Trotz aller Rationalisierungserfolge bleibt die Ertragslage nicht zuletzt als Folge der Tarifanhebungen und des erhöhten Sozialaufwandes auf der einen Seite und des Unvermögens, Kostensteigerungen in den Preisen weiterzugeben, auf der anderen Seite unbefriedigend. Aus diesem Grund verteidigte Vorstandsvorsitzender Hans A. Bartelmeh die weitgehende Schließung des Werks Hamburg, das in den letzten Jahren an Kaufpreis und Verlusten ein Mehrfaches des Grundkapitals gekostet hat. Die Gildemeister-Aktionäre können vorerst nicht mit Dividenden rechnen.