Von Dieter Piel

Die Spender hatten ihre Liebesgaben in sechzehn Pakete verpackt, die sie Stück für Stück an die Armen zu verteilen gedachten. Doch schon nach dem zweiten Präsent war die festliche Stimmung verflogen: Die Beschenkten waren enttäuscht und die Spender verärgert. Der dritte Akt der Karitas könnte deshalb auch schon der letzte sein.

Stattfinden wird er am 15. September. An diesem Tag wird der Internationale Währungsfonds (IWF) in Washington einen weiteren Teil seiner Goldbestände versteigern, mit der Absicht, den Differenzbetrag aus Auktions-Erlös und "amtlichem" Goldpreis von rund 42 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) einem Fonds zuzuführen, aus dem Entwicklungsländern Hilfen zur Finanzierung ihrer oftmals fast unbezahlbar gewordenen Auslandsschulden gewährt werden sollen.

Viel haben die Entwicklungsländer von dieser Auktion nicht mehr zu erwarten. Seit der IWF die Gold-Interessenten vor wenigen Tagen mit einer geänderten Versteigerungs-Technik verstimmte, die er am 15. September praktizieren will, nähert sich der Goldpreis immer mehr der 100-Dollar-Grenze. Die neue Auktionsmethode: Das Gold wird nicht mehr zu einem Einheitspreis zugeschlagen, sondern nach dem sogenannten "bit-system", bei dem alle Bieter vom höchsten bis zum niedrigsten Gebot befriedigt werden, solange der Vorrat reicht.

Anfang Juni, als 780000 Feinunzen unter den Hammer kamen, brachten sie noch jeweils 126 Dollar ein – für den Hilfsfonds ergab das 67 Millionen Dollar. Mitte Juli, bei der nächsten Versteigerung; kam der Zuschlag bereits bei 122 Dollar – die gesamte Ausbeute sank daher auf 64 Millionen Dollar. Für den September-Termin aber kündigt sich ein Preis-Fiasko an, das nur ein einziger Pessimist unter den Initiatoren der Hilfsaktion annähernd für möglich gehalten hatte: Bonns Finanzminister Hans Apel.

Die Rechnung ging nicht auf

Als Vertreter eines der fünf wichtigsten Mitgliedsländer des Internationalen Währungsfonds – einer Art Vereinter Nationen der Währungspolitik, – denen freilich weder der zweitgrößte Goldproduzent (Sowjetunion) noch der wichtigste Goldhändler (die Schweiz) angehören – hatte Apel vor einem Jahr mitbeschlossen, ein Sechstel der IWF-Goldreserven von insgesamt 150 Millionen Feinunzen bis 1978 zu versteigern, um mit dem Erlös Gutes zu tun. Nämlich: