Wer zahlt den Schaden, wenn Keller und Haus nicht zusammenpassen?

Freiherr Wolfhart von Stackelberg, Ministerialrat im Bonner Forschungsministerium, vertraute auf den Werbespruch "Neckermann macht’s möglich". In seinem Vertrauen war der Freiherr indes allzu blind – und das hatte fatale Folgen für sein Bankkonto.

Ende 1973 hatte sich der Wunsch des Ministerialrats nach einem Eigenheim so verdichtet, daß er sich bei der Neckermann-Eigenheim GmbH/Streif über das Angebot informieren und zum Kauf eines Heimes vom Typ "Birkenweg" animieren ließ (Listenpreis 94 000 Mark ab Oberkante Keller). Den Kaufentschluß hatte insbesondere ein Firmenprospekt beflügelt, in dem das laut Eigenwerbung "bekannteste Fertighausunternehmen in Deutschland" die Leistungen der Neckermann-Verbindungsarchitekten herausstrich.

Da Stackelberg unter Zeitdruck stand und sich selbst wenig um den geplanten Bau kümmern konnte, begehrte er einen erfahrenen Architekten, der ihn, seinen Bau und die Errichtung des Kellergeschosses vor Ort betreuen sollte. Ein Mitarbeiter des Bauunternehmens namens Konrad benannte dem Kunden den Bonner Architekten Walter Grün. Der schloß mit Stackelberg einen Vertrag, in dem er sich ausdrücklich als "Verbindungsarchitekt von Neckermann" bezeichnete und seine Leistungen auch zum Neckermann-Pauschalhonorar von 1950 Mark berechnete.

Doch Grüns Kellerarbeiten dauerten nicht nur über Gebühr lange, sondern fielen auch noch besonders schlecht aus. Es erwies sich als unmöglich, das Neckermann-Komfortheim "Birkenweg" auf das Grünsche Kellerfundament zu stellen. Stackelberg trennte sich von Grün und ließ seinen neuen Keller erst einmal bebauungsfähig herrichten. Kosten laut Sachverständigengutachten: 33 466,98 Mark. Mit Nebenkosten für Anwälte und so weiter hat Stackelberg rund 40 000 Mark zusätzlich aufbringen müssen.

Stackelbergs Versuche, sich bei Grün schadlos zu halten, schlugen fehl. Bei ihm war nach einem Offenbarungseid nichts mehr zu holen. Schlimmer noch: Grün wanderte ins Kittchen. In der Frankfurter Untersuchungshaft wartet er unter dem Verdacht des achtfachen Frauenmordes auf seinen Prozeß.

Enttäuscht und im Stich gelassen fühlt sich der Freiherr aber auch von den Firmen Neckermann und Streif, die ihm jenen wunderlichen Architekten anempfohlen hatten. Die Neckermann-Eigenheim GmbH will von solcher Empfehlung freilich nichts wissen. Neckermann-Geschäftsführer Jochen Meyer: "Grün ist nie unser Verbindungsarchitekt gewesen. Wenn wir als Firma jemanden empfehlen, stehen wir auch gerade." Meyer betont, ehe ein Architekt in die Neckermann-Liste der Verbindungsarchitekten aufgenommen werde, "sichern wir uns nach allen Seiten ab".