"Rumänische Gedichte", ausgewählt von Heidi Hauser und Michael Rehs. "Alles steht an seinem Ort" – so beginnt eines der Gedichte des Bandes. Dieser Vers von Lucian Blaga, der das Unverbrüchliche beschwört, wirkt wie ein Leitmotiv dieser Anthologie. Alle drei Autoren – Tudor Arghezi, Lucian Blaga und Ion Barbu – wurden im vorigen Jahrhundert geboren. Und ihren Werken, die noch ganz "im Erdreich eines männlichen und stoischen Klassizismus" wurzeln, muß eigentlich längst das Odium des (Literatur-)Geschichtlichen angehaftet haben, als 1967 der letzte von ihnen starb. "Am Bette meines Nachbarn heute nacht/ Hat Gott gewacht/ Mit Hirtenstab und Heiligen und Engeln blütenweiß ..." Zwar hat Tudor Arghezi seinerzeit zusammen mit Tristan Tzara die literarische Bühne betreten. Sein Schaffen jedoch weist, ebenso wie das der beiden anderen Poeten, mit nahezu allen beigebrachten Proben (von verschiedenen Übersetzern) in die Vergangenheit zurück. So vermag es der mit der Entwicklung der modernen Lyrik vertraute Leser nur schwer einzusehen, daß diese Texte eine neue originelle Synthese aus "Traditionalismus" und "Modernismus" (Symbolismus und Avantgardismus) sein sollen, wie Mircea Zaciu in der ebenso ausführlichen wie liebevoll-umständlichen Einleitung sagt. (Horst Erdmann Verlag, Tübingen/Basel, 1975; 122 S., 18,– DM.)

Hans-Jürgen Heise

"Französische Literaturkritik der Gegenwart in Einzeldarstellungen", herausgegeben von Wolf-Dieter Lange. Stärken und Schwächen dieses nützlichen Sammelbandes zeigen sich bereits in der Einleitung, in der Wolf-Dieter Lange in groben Zügen die Entwicklung der französischen Literaturkritik nachzeichnet. Ihr sind dann, weit aufgefächert, zwanzig Einzelporträts beigegeben, deren Aufteilung in Schulen und Sekten allzu voreilig erfolgt. Die Qualität der Essays differiert; sie sind dort am stärksten, wo sie – ebenso knapp wie präzis – analytische Zusammenfassungen einzelner Werke und Einblicke in Methoden bieten. Dies gilt für den Aufsatz über Roland Barthes, doch vermißt man gerade hier die Rezeption kritischer Ansätze wie Prietos Ablehnung von Barthes’ grenzenloser "Semantisierung der Gewohnheiten". Und die Definition der "Konnotation" als Ineinandergreifen zweier Zeichensysteme stammt nicht, wie der Autor suggeriert, von Barthes, sondern vom dänischen Linguisten Hjelmslev. Lücken auch in der Darstellung von Charles Mauron: Nach der korrekten Aufarbeitung seines Assoziationsnetzes und der Schematisierung der Racineschen Tragödien wird Maurons Psychokritik der Komödie und damit eine der faszinierendsten Einsichten der "nouvelle critique" unterschlagen – noch dazu auf einem Gebiet, das seit Freud und Bergson arg vernachlässigt wird: Mauron interpretiert das tragische Drama, wo "Schuld" und "Fehler" zwangsmäßig zur Katastrophe führen, in Opposition zur Komödie, die eine Befreiung des Individuums von archetypischen Urängsten darstellt. (Alfred Kröner Verlag, Stuttgart, 1975; 374 S., 25 DM.)

Jürg Altwegg

"Zwischen Slapstick und Mysterium", wie Hans Platschek seine Kritik des Magritte-Buches von A. M. Hammacher im Untertitel nannte (ZEIT Nr. 36, S. 39), trieb sich auch ein Satz der Rezension herum, dank dem ZEIT-Mitarbeiter Druckfehlerteufel. Der Satz sollte vor einer Woche schon in dieser Form zu lesen sein: "Nicht eine dümmliche Gegenüberstellung von Ding und Darstellung war gemeint, sondern die Teilung der Darstellungsebene durch einen Bezeichnungswechsel, wie er stets bei Magritte vorkommt."