Man erkennt sie an ihrem Rückgrat – nicht etwa an dem, nunmal zum Menschen gehörenden, knöchernen, sondern an ihrem moralischen, das für sie keineswegs jedermanns Eigenschaft zu sein scheint, sonst hätten sie sich nicht im "Club der Gäste mit Rückgrat" (CGR) zusammengefunden. Rund hundert Mitglieder hat der CGR bereits in der Bundesrepublik, der Schweiz und in Österreich – darunter "Essen und Trinken"-Chefredakteurin Angelika Jahr.

CGR-Mitglieder haben uns nicht nur das moralische Rückgrat voraus, auch ihr knöchernes erfüllt vornehmlich untypische Aufgaben: Es dient vor allem der aufrechten Haltung an Restaurant-, Hotel- oder Gastwirtschaftstischen. Hier ist auch der Ort, an dem CGR-Freundé ihr moralisches Rückgrat zur Geltung bringen, nämlich dann, wenn sie nach der Mahlzeit dem Herrn Wirt ihre Kritik vortragen.

Diese schreiben sie nicht etwa auf eine unbenutzte Serviette, nein, ein jedes Clubmitglied führt eigens zu diesem Zweck immer ein vorgedrucktes Zettelchen in distinguiertem Hellblau in Jackett- oder Handtasche mit sich. "Lieber Herr Wirt", steht da zu lesen, "ich bin erfreut .. und "ich bin betrübt..." (nach Geschmack anzukreuzen...).

Damit will der "Club der Gäste mit Rückgrat" der deutschen Gastronomie zu einem besseren Ruf verhelfen. Ein lobenswertes Ziel, bedenkt man das Image unserer Küchen. Bei diesem Unternehmen müssen einem freilich nicht die Wirte leid tun, sie verdienen Kritik, sei sie positiver oder negativer Art. Mitgefühl gebührt den Mitgliedern des Clubs, die, anstatt einfach zu essen, fortan immer mit der Frage essen müssen: "Bin ich erfreut, bin ich betrübt?" Wer das will, der melde sich beim Informationsdienst Gast, Postfach 723, 2000 Hamburg 11.

M. G.