Von Ulrich Schmidt

Das fängt ja gut an, dachte ich, als ich zur Vorbereitung meiner Reise den Prospekt "Fränkische Schweiz – Land der Berge, Höhlen und Mühlen" betrachtete. Der kann sich wirklich sehen lassen: ein richtiger Appetitmacher und zugleich eine solide Information in Bild und Text.

Und ohne viel Aufwand. Nur ein Faltbilderbogen. Auf der einen Seite Photos von Land und Leuten, mit dem Hauptstück, dem Wiesenttal, groß in der Mitte. Auf der anderen Seite eine Gebietskarte, aus dem einschlägigen Merian-Heft übernommen, ein Gemälde und dennoch als Weghilfe zu gebrauchen. Und daneben ein Text, der kein Reklameblabla, sondern Wesentliches mitteilt, verfaßt von dem Kenner und Künder dieser Gegend, Hans Max von Aufsess. "Herzland deutscher Romantik" schreibt er und begründet es auch.

Es fällt ihm immer noch etwas Neues ein, obwohl die anderen eigentlich doch schon alles gesagt haben. Zum Beispiel Jean Paul: "Hier läuft der Weg von einem Paradies ins andere." Immermann spricht geradezu zärtlich von "Deutschlands geheimsten jungfräulichen Reizen", Wackenröder von "sinnlicher Schönheit". Und so fort.

Wenn man sich ein paar Tage lang im Landstrich zwischen Bamberg, Forchheim, Pegnitz und Bayreuth umgeschaut hat, muß man feststellen: Die Dichter haben recht: Die Fränkische Schweiz ist eine erotische Landschaft.

Sie setzt sich aus drei Elementen zusammen: aus den Tälern, den Wölbungen und den Höhlen. Zum ersten: Da ist das Wiesenttal mit seinen Nebentälern, modelliert aus dem nachgiebigen Dolomitgestein des Jurahochplateaus. Bachdurchschlängelnde, geheimnisvoll intime Täler, auf Menschenmaß zugeschnitten, zum Wandern, zum Hineinkuscheln, Märchentäler.

Zum zweiten: die leibhaft geformten Felsen, die sich bauch- und busendrall aus dem grünen Kleid der Steilhänge herauswölben oder – wie in Tüchersfeld – unverhofft als groteske Wachsoldaten aus dem Gedränge der Häuser herausragen. Kletterfelsen zwar von hochalpinen Schwierigkeitsgraden, dennoch wirken sie gezähmt zu Dekorstücken und eher idyllisch als heroisch.