Herstatt-Sparer mit nicht mehr als 20 000 Mark auf den Konten wurden aus dem Feuerwehrfonds der deutschen Banken voll entschädigt. Die übrigen Gläubiger mußten sich mit Quoten zwischen 45 und 65 Prozent begnügen. Im Dezember 1974 konnte die zivilrechtliche Akte der Herstatt-Pleite weitgehend geschlossen werden, doch es blieb die strafrechtliche Seite.

Mit Akribie ermittelten die Staatsanwälte, während sich die Pleitiers in Sicherheit wogen. Iwan Herstatt hatte sich über ein Jahr lang den Vergleichs-Abwicklern für Auskünfte bereitgehalten und dafür 3000 Mark im Monat kassiert. Nach eigenen Beteuerungen hat er sein ganzes Vermögen zu Befriedigung seiner Gläubiger vergeben. Doch am Bettelstab ist die Familie bisher noch nicht gegangen. Ilse Herstatt mußte weder "arbeiten gehen" noch nur "Kartoffelsuppe" kochen, wie sie um Juni 1974 gemeint hatte. Man bewohnt auch noch immer die feudale Villa.

Dany Dattel, Devisenkopf der Herstatt-Crew, sonnte sich vor der Festnahme an der See, er wohnte und lebte bei seinem betuchten Schwiegervater und wartet auf die Herausgabe seiner in Herstatts-Safes schlummernden Goldbarren im Wert von 3,5 Millionen Mark.

Bernhard Graf von der Goltz kam dank familiärer Bindungen beim Quandt-Konzern unter, der über die VARTA AG mit fünf Prozent bei Herstatt beteiligt war. Heinz Hedderich bezog bis vor kurzem noch Gehalt von den Herstatt-Liquidatoren. Wickel suchte Glück im Immobiliengeschäft, den beiden Brokern Arden und Blaeser erging es auch nicht schlecht.

Doch nun liegt die Zukunft der Devisen-Spieler in den Händen der Kölner Häscher, die offenbar gute Arbeit geleistet haben. Per Computer und mit einem ausgetüftelten, in diesem Stil erstmals erprobten Programm wurde jeder Bankbeleg bis in den letzten Winkel der breitgestreuten Banckonten verfolgt und durchleuchtet. Der Trick, mit dem Devisengewinne den Spekulanten gutgeschrieben wurde, Verluste aber der Bank, ist nach Bekundungen der Kölner Staatsanwälte entlarvt.

Wolfgang Hoffmann