Neuer Inhaber für den Desch-Verlag gesucht, aber niemand will ihn haben

Besucher der am 16. September beginnenden Frankfurter Buchmesse werden einen Stand vergeblich suchen. Der ehemalige Verlag "Kurt Desch Edition" aus München wird, obwohl angemeldet, an der größten Bücherschau der Welt nicht teilnehmen: Der Scheck über die im voraus zu bezahlende Standgebühr wurde nicht eingelöst, der Desch-Stand weitervermietet.

Zahlreiche ungedeckte Schecks in den vergangenen Monaten symbolisierten den Niedergang eines Verlags, der bis vor wenigen Jahren in der Buchbranche einen guten Namen hatte. Kurt Desch hatte ihn, als ersten in der amerikanischen Besatzungszone, bereits im November 1945 gegründet und schnell renommierte Autoren des In- und Auslands gewonnen. Er verlegte unter anderem Jean Cocteau, Kasimir Edschmid, Hermann Kesten, Alberto Moravia, Robert Neumann und Erich Maria Remarque.

Der Abstieg des Verlags begann im November 1973. Damals wurde bekannt, daß der 70jährige Kurt Desch, der seine Karriere als Journalist, Buchhändler und Werbeleiter begonnen und als Verleger rund 4300 Titel mit einer Auflage von 41 Millionen Exemplaren herausgebracht hatte, das Unternehmen an die Brüder Hermann und Helmut Kampsmeyer verkauft hatte. Den Brüdern gehörte bereits der Münchner Unitex-Verlag, in dem Fernschreib-Adreßbücher erscheinen.

Schon wenige Wochen später, im Januar 1974, gaben die offenbar nur als Strohmänner fungierenden Brüder Kampsmeyer ihre Anteile für 2,4 Millionen Mark an den in der Branche bis dahin unbekannten Bernhard Cremer weiter. Cremer stammt aus der rheinischen Industriellen-Familie Werhahn, hat im Bankfach gearbeitet und ein Konservatorium besucht. "Seinen musischen Neigungen entsprechend", hieß es damals offiziell, "hat er sich dem Verlagswesen zugewandt".

Die von keinen buchhändlerischen Erfahrungen getrübten musischen Neigungen reichten jedoch offenbar nicht aus, um die Schwierigkeiten zu bewältigen, die in der folgenden Zeit auf den Verlag zukamen. Autoren fanden heraus, daß Kurt Desch ihnen zum Teil beträchtliche Honorare nicht ausbezahlt hatte. Allein an Hans Helmut Kirst ("08/15") mußte schließlich der Ex-Verleger Desch eine halbe Million, an Hans Habe ("Palazzo") 300 000 Mark nachzahlen.

Cremer bekam das Unternehmen, das im ersten Halbjahr 1975 rund eine Million Umsatz erzielte, und zuvor einen Jahresumsatz von etwa drei Millionen Mark gehabt haben dürfte, nicht richtig in den Griff. Zu Beginn dieses Sommers wuchsen dann die finanziellen Schwierigkeiten. In der Branchenpresse war von unbezahlten Rechnungen, ungedeckten Schecks und kaufmännischen Tricks die Rede. Die Verbindlichkeiten sollen laut Cremer etwa 850 000 Mark betragen, nach Schätzungen von Branchen-Insidern jedoch wesentlich höher sein. Ein Gläubiger schaltete schließlich den Staatsanwalt ein. Die Autoren, die bei beiden Verkäufen nicht einmal gefragt worden waren, gründeten einen Interessen-Beirat.