Von Heinz Michaels

Der Hilferuf kam von den Wirten: In der Gastronomie, so errechnete der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband, fehlen rund 50 000 Arbeitskräfte. Und das, obwohl in der Bundesrepublik Ende Juli 944 600 Arbeitslose registriert waren. Doch nicht nur die Hoteliers und Schankwirte sind um Arbeitskräfte verlegen:

  • In den Industriebezirken der Städte und Gemeinden hängen seit dem Frühjahr wieder Schilder vor den Fabriktoren: "Wir stellen ein ..."
  • Auf der Mitgliederversammlung baden-württembergischer Arbeitgeberverbände bedauerte Hauptgeschäftsführer Reinhard Blasig, daß es den Firmen in einer Phase differenzierter konjunktureller Erholung außerordentliche Schwierigkeiten bereite, vor allem deutsche Arbeitnehmer für die Produktion einzustellen.
  • Die Bundesanstalt für Arbeit stellte fest: Während Hilfsarbeiter für Druckereien und das Vervielfältigungsgewerbe in genügender Anzahl zur Verfügung stehen, werden Reprophotographen, Schriftsetzer, Offsetdrucker und Buchdrucker gesucht.

Lapidar resümierte das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) bereits im Juni: "Trotz über einer Million Arbeitsloser konnten viele Unternehmen ihren Facharbeiterbedarf nicht in gewünschtem Umfang decken."

Auf den ersten Blick sieht es sogar so aus, als könnte die Zahl der Arbeitslosen um eine viertel Million niedriger sein; denn Ende Juli meldete die Nürnberger Bundesanstalt für Arbeit 274 000 offene Stellen. Doch der Schein trügt. Nach den Erfahrungen der Arbeitsämter sind im Laufe des Monats August gut 200 000 dieser Stellen wieder besetzt worden.

"Auf dem Arbeitsmarkt findet Monat für Monat eine Umschichtung statt", erläutern die Fachleute der Bundesanstalt. Sie werten die an einem Stichtag gemeldete Zahl der offenen Stellen daher auch nur als Hinweis auf den Trend: Ist die Zahl hoher als im Vorjahr, dann hat sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt verbessert.

In der Statistik liest sich das für die ersten sieben Monate dieses Jahres so: Vom Januar bis Juli meldeten sich bei den Arbeitsämtern 1 873 088 Männer und Frauen arbeitslos; von den Firmen wurden 1 453 210 offene Stellen gemeldet; die Arbeitsämter konnten 1 368 971 Arbeitslose in eine neue Beschäftigung vermitteln. Der Trend: Gegenüber dem gleichen Zeitraum im Jahre 1975 gingen die Zugänge an Arbeitslosen um 7,2 Prozent zurück; die Zugänge an offenen Stellen stiegen um 7,1 Prozent und die Zahl der Vermittlungen um 10,6 Prozent.