Die Fremdenverkehrsmanager der verschiedensten Länder sind stets auf der Suche nach besonderen Anlässen, die potentielle Touristen ins Land locken sollen. So werden alljährlich irgendwelche Dorfgeburtstage oder Weinfeste zu Attraktionen hochgejubelt, die ein Flüßchen vom Urlauberstrom ableiten sollen.

Etwas schwieriger ist das bei Großereignissen, die regelmäßig wiederholt werden, beispielsweise die Olympischen Spiele. Karin man den Wettstreit von Bobfahrern und Hochspringern in touristische Einnahmen ummünzen?

Vor vier Jahren in München haben das ganz offensichtlich einige Hoteliersgeglaubt. Sie lifteten die Bettenkapazität der bayerischen Landeshauptstadt derart nach oben, daß die Verkaufsleiter vieler Münchner Nobelherbergen heute kaum wissen, mit welchen Sonderangeboten sie ihre vielen Schlafplätze mit Gästen füllen sollen. Und von einem Run ausländischer Urlauber auf München oder Deutschland auf Grund der Olympiade kann auch nicht die Rede sein. Die Spiele als touristisches Werbemittel? Für Deutschland ist das nicht eingetroffen.

Anders, nämlich günstiger, war die Ausgangsposition der Österreicher in diesem Jahr. Die Innsbrucker hatten den Vorteil, den alle Ausrichter der Winterspiele haben: Sie konnten der ganzen Welt demonstrieren, wie gut man in ihrem Land Wintersport betreiben kann. Hier dürfte eine nicht zu unterschätzende Wirkung liegen (von der etwa Garmisch-Partenkirchen seit 1936 zehrt).

Vor wenigen Wochen fanden die Spiele in Montreal statt. Hat man aus diesem Anlaß in Kanada einen größeren Andrang deutscher Touristen feststellen können, erhofft man ihn für die Zukunft? Keith MacGregor, Leiter des Kanadischen Fremdenverkehrsamtes in Frankfurt zuckt die Achseln: "Unmittelbar haben wir von den Spielen kaum etwas abbekommen." Allerdings: "Wir hatten aber auch nicht damit gerechnet!"

Die Spiele, so MacGregor, stehen in keinem direkten Zusammenhang zum Tourismus. Zwar kamen (inklusive Presse) etwa 5000 Besucher aus Deutschland, doch die meisten von ihnen wollten eben Sport sehen, sonst nichts. Viele der Journalisten hängten allerdings noch eine Woche Urlaub dran, um sich vom Montreal-Streß zu erholen. (Hier erhoffen sich die Kanadier einige Resonanz in den verschiedenen Medien).

Im Fall Kanada kam noch erschwerend hinzu, daß eine – notwendige – frühzeitige werbliche Ausnutzung Olympias so gut wie unmöglich war, denn wenige Monate vor dem offiziellen Eröffnungstermin wußte ja niemand so recht, ob das Ereignis nun auch wirklich reibungslos über die Bühne gehen würde. Also blieb dem Kanadischen Fremdenverkehrsamt gar nichts anderes übrig, als die Spiele für touristische Zwecke zu ignorieren.