Hervorragend

Al Jarreau: "Glow". Warum dieser 36jährge Blues-, Jazz- und Pop-Interpret aus Milwaukee mit seiner phänomenalen Scat-Technik und der unglaublich flexiblen, rhythmisch und sinnlich stimulierenden Stimme auf der Bühne eine magische Ausstrahlung besitzt, läßt seine zweite Platte noch deutlicher erkennen als das spektakuläre Debüt-Album "We Got By". Scheinbar mühelos moduliert er auch die schwierigsten Vokalphrasen, und wenn er nicht mit dem tragenden Melodie-Instrument intime Zwiesprache hält, dann nur, weil er von der atmosphärischen Stimmung eines Songtextes hinweggetragen wird und die Virtuosität des Vortrags sich beinahe verselbständigt. Letzteres ist der Fall bei James Taylors "Fire And Rain", einem Folksong über Drogenerfahrungen, der in Jarreaus Interpretation nicht recht glaubwürdig ist, weil die virtuose Vokaltechiik eindeutig über den Inhalt des Liedes triumphiert. Die übrigen acht Nummern allerdings, bei denen der Sänger von einigen der renommiertesten Studiomusikern Kaliforniens wie Baßgitarrist Willie Weeks und Larry Carlton an der Gitarre begleitet wird, qualifizieren die Platte als eine der mit Abstand besten dieses Jahres. (Reprise REP 54 073)

Franz Schöler

Hörenswert

Zupfgeigenhansel: "Volkslieder 1". Der Hansel, das sind zwei: Thomas Fritz und Erich Schmeckenbecher, sie singen und sie spielen – bisweilen komplettiert durch Harfe, Cello und Chor – eine Menge Instrumente, darunter so alte wie Krummhorn und Xylophon, auch Mandoline, Gitarre, Flöte, Trommeln, Akkordeon. Ihre Lieder stammen aus Sammlungen; fast alle haben einen gesellschaftskritischen Dreh, manchmal einen Überdreh wie "Es, es, es und es", das, im Gegensatz zur alten Sammlung "Zupfgeigenhansel", vergröbert wurde und nicht alle Strophen hat. Einige der Lieder sind überraschend originell, bisweilen betörend schön gesetzt und instrumentiert. (Verlag "pläne", Serie Folk 9, S 19 F 901, 22,– Mark) Manfred Sack

"Ole Man" River: "Dumb Drums". Auf diesem Album, das mit spektakulärem Feeling eingespielt wurde (es ist Rivers neunundsechzigstes), kommt die quasi-religiöse Inbrunst dieses Sängers und Gitarristen mit noch nie dagewesener Entspanntheit zur Geltung. Störend ist einzig das Cracket-Solo in der Nummer 3: die fünf Drum-Schläge erinnern denn doch zu stark an die Schläge gegen die Tür, mit denen sich der große Presley Chuck am 3. November 1955 im Beisein des damals siebenjährigen und verdutzten River Eintritt in den Hintereingang der Plattenfirma Rolls Royce verschaffen wollte. (Bluff Records 176–671)

Dieter E. Zimmer