Das Ganze nahm sich aus wie ein Blitzstart beim Fußball: Anpfiff, Schuß und Tor. Kaum hatte Jürgen Lorenz’ ZDF-Runde "Journalisten fragen – Politiker antworten" über die Bildschirme zu flimmern begonnen, da dribbelte Klaus Emmerich, Bonner Korrespondent des österreichischen Rundfunks, nach vorn und fragte Franz-Josef Strauß, welches Amt er denn nun in einem Kabinett Kohl übernehmen würde.

Weniger die Antwort als ihre Umstände beschäftigten tags darauf Bonn. Schließlich hätte jeder Journalist die Bestätigung lange gehegter Vermutungen gern als erster in die Welt gesetzt. Die Frage: "Was will Strauß werden" war zum "Dauerbrenner" geworden.

Es wurde heiß, als sich am Nachmittag vor der Sendung herausstellte, daß Strauß und Kohl abermals lange zusammengesessen hatten. Bei ihren üblichen informellen Erkundigungen, was man wohl gefragt werden würde, spürten die beiden Unionsgrößen, wie akut die Sache war. Ihr weiter auszuweichen, wäre peinlich geworden. So kam es, daß Strauß sich endlich offiziell erklärte.

Schon die spontanen Anrufe bei der Mainzer-ZDF-Zentrale und ihrem Bonner Studio signalisierten ebenso viel Publikum wie Interesse. Die meisten Anrufer beschwerten sich, daß die Sendezeit von einer guten Stunde eingehalten worden sei. Die Einschaltquote weist rund fünf Millionen Zuschauer aus.

Im übrigen ist das Wetterleuchten, das bei dem Disput zwischen den vier Parteiführern, besonders beim Thema "Freiheit oder Sozialismus", aufflammte, nach der Sendung nicht in Blitz und Donner umgeschlagen. Kohl blieb nur noch kurz, Brandt und Genscher unterhielten sich noch eine ziemliche Weile mit den ausländischen Fragestellern. Strauß diskutierte in einer anderen Ecke der ZDF-Dependance mit Redakteuren und Schlachtenbummlern.

Das entsprach dem Üblichen. Denn daß man sich, wenn die Kameras abgeschaltet sind, nun wirklich in die Wolle gerät, ist selten.

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