Immer mehr Bundesbürger kommen in den Genuß ihrer Lebensversicherungssumme. In der Regel handelt es sich um beachtliche Beträge. Sie sollen den Lebensstandard im Alter sichern, in den meisten Fällen die Rente aus der Sozialversicherung aufbessern. Aber wie geschieht dies in der Praxis? Die Entscheidung über die Anlage der Lebensversicherungssumme ist für den Versicherten oft schwierig.

Die Lebensversicherungs-Unternehmen haben dieses Problem erkannt und versuchen, daraus "Kapital zu schlagen". Wundern Sie sich deshalb nicht, meine verehrten Leser, wenn Ihnen die Versicherung den Vorschlag macht, die Ihnen zustehende Lebensversicherungssumme einem Rentenfonds zu überlassen, mit dem die Versicherung zusammenarbeitet oder der ihr sogar völlig gehört. Für die Versicherung liegt der Nutzen auf der Hand. Sie möchte das fällig gewordene Geld in ihrem "Herrschaftsbereich" behalten, um daran weiter verdienen zu können. Der Vertreter der Versicherung, der Sie zu überreden versucht, hat natürlich seine Provision im Auge.

So weit ist die Interessenlage klar. Aber ist die Offerte deshalb anrüchig? Wenn sie mit exakten Informationen untermauert wird, sicherlich nicht. Angeboten wird meist ein sogenannter "Entnahmeplan", den wir in unserem "Gespräch" vom 16. Juli 1976 bereits kurz gestreift haben. Er sieht die einmalige Zahlung einer größeren Summe in einen Rentenfonds vor, wobei sich der Fonds verpflichtet, regelmäßige Gutschriften auf das Konto des Einzahlers vorzunehmen.

Der Entnahmeplan ist keine deutsche Erfindung. In den USA gibt es ihn schon länger. Lange Zeit wurde er unter dem Motto propagiert: "Wir zahlen Ihnen eine Rente und erhalten Ihnen gleichzeitig Ihr Vermögen!" Dabei muß man wissen, daß sich diese Zusage auf Aktienfonds bezog und stillschweigend eine Art Dauerhausse unterstellt wurde. Inzwischen wissen wir, wie fragwürdig solche Zusagen bei Aktienfonds sind.

Bei Rentenfonds ist die Lage anders. Nach den bisherigen Erfahrungen ist bei ihnen langfristig mit einer Rendite von etwa acht Prozent zu rechnen. In der Vergangenheit ist dieser Satz gelegentlich unterschritten worden; es hat aber auch Zeiten gegeben, in denen die Rendite darüber lag.

Nun werden Sie fragen, ob sich größere Summen auf dem Rentenmarkt nicht ohne spesenfressende Hilfe der Fonds mit dem gleichen Effekt, nämlich acht Prozent Rendite, anlegen lassen. Wer jetzt die 8 1/4prozentige Bahn-Anleihe erwirbt, kann während ihrer achtjährigen Laufzeit sogar mit 8,29 Prozent rechnen. Für denjenigen, der alles Geld in einer Emission anlegt, stellt sich nach acht Jahren das Problem der Neuanlage. Was passiert, wenn nach acht Jahren die Kapitalmarktrendite nur bei sechs oder sieben Prozent liegt? Dann heißt es, den Riemen enger zu schnallen. Fonds versuchen, solche "mageren" Zinszeiten durch eine weitvorausschauende Anlagepolitik zu überbrücken. Sie können durch geschickte Transaktionen die Renditen zwischenzeitlich um etliches über acht Prozent hinausbringen.

Die Verwaltung eines größeren Rentenportefeuilles ist leider eine Sache der "Profis" geworden. Weil das so ist, sind die deutschen Rentenfonds so milliardenschwer geworden. Ob nicht auch ein Teil der Versicherungssumme in Aktien (mit oder ohne Fonds-Hilfe) anzulegen ist, wird nur im Einzelfall und unter Berücksichtigung der individuellen Vermögens- und Erbverhältnisse zu entscheiden sein. Grundsätzlich sollte der Anteil von Aktien am Gesamtvermögen mit zunehmendem Lebensalter verringert werden. Wer als Rentner mit Aktien Geld verliert, hat nur begrenzte Chancen, in Haussezeiten wieder zu verdienen.