Von Marion Gräfin Dönhoff

Im südlichen Afrika spielt sich zur Zeit ein lebensgefährlicher Wettlauf ab zwischen, dem Versuch, eine friedliche Regelung herbeizuführen, und dem ungehemmten Einsatz von Gewalt. "Time is running out", predigt Henry Kissinger seit Monaten: Die Zeit wird knapp.

Die Lage ist düster im südlichen Afrika. Auf rhodesisches Gebiet werden ohne Unterlaß Guerillaüberfälle von kommunistischen Gruppen, die in Moçambique stationiert sind, verübt – tagtäglich fließt Blut. An der Nordgrenze Namibias stehen auf angolanischem Boden Kubaner und kommunistische Verbände zum Einmarsch bereit. Und in Südafrika wird die Stimmung von Woche zu Woche explosiver. Nun haben in Kapstadt auch noch die Mischlinge, die dort zwei Drittel der Bevölkerung ausmachen und die von den Weißen stets als ihre Parteigänger eingestuft, aber nie entsprechend behandelt worden sind, in blutigen Demonstrationen ihre Sympathien für die Sache der Schwarzen bekundet.

Es könnte jedoch sein, daß Hölderlins Deutung: "Wo Gefahr ist, wächst das Rettende auch", sich abermals bestätigt. Die drohenden Gefahren zeichnen sich nämlich für alle gleichermaßen beängstigend ab. Von Gewalt profitiert letzten Endes niemand.

Südafrikas Premierminister Vorster sieht zweifellos ein, daß er in dem Maße, in dem in Rhodesien, und Namibia Konzessionen gemacht werden, Zeit zur Lösung seiner eigenen Probleme gewinnt. Auch ist er daran interessiert, daß in Rhodesien einigermaßen stabile Verhältnisse bestehen und nicht das allgemeine Chaos ausbricht. Und schließlich bedeutet es für ihn eine einmalige Chance, daß er, dank der Initiative der Amerikaner, aus der Isolierung herauskommt und daß seine Probleme auf mehrere Schultern verteilt werden.

Für den rhodesischen Regierungschef Smith, auf dem gleichzeitig der Druck von Washington, London, Pretoria und der Guerillas lastet und dessen Siedlern jetzt finanzielle Hilfe in Aussicht gestellt wird, bietet sich aus eben diesem Grunde die Möglichkeit, seine Intransigenz zu mäßigen. Beide, Vorster und Smith, können ihren Wählern gegenüber auf die Zwangslage verweisen, in die Washington und London sie jetzt gebracht haben – auch das macht es ein wenig leichter für sie.

Und wenn es schließlich noch eines Arguments dafür bedurft hätte, daß auch Namibia an einer friedlichen Lösung dringend interessiert ist, so hat dies jetzt in Zürich ein Sprecher der Schwarzen Organisation SWAPO geliefert. Er sagte: "Wir behalten uns vor, befreundete Regierungen einzuladen, damit sie an unserem bewaffneten Kampf teilnehmen." Niemand kann im Zweifel darüber sein, wer die befreundeten Regierungen sein würden...