Von Benjamin Henrichs

Der Schauspieler Minetti hat eine Verabredung: in einem alten; schäbigen Hotel in Oostende wartet er auf den Schauspieldirektor von Flensburg. Minetti ist Schauspieler im Ruhestand – vor dreißig Jahren hat man ihn aus Lübeck ("dieser grauenhaften Stadt") vertrieben; angeblich, weil er sich "der klassischen Literatur verweigert" hat. Dreißig Jahre lang hat er in Dinkelsbühl den Rentner gespielt, Gemüse gezüchtet. Jetzt soll er, morgen in Flensburg, noch einmal König Lear sein, "in Ensors Maske". (James Ensor hatte er einst in diesem Hotel am Meer getroffen.) Es ist Silvester, und es schneit in Oostende – und weil der Schauspieldirektor auf sich warten läßt, erzählt, rezitiert, schwadroniert Minetti: über Minetti, die Kunst, die Welt und den Tod. Seine Zuhörer und Opfer sind: der Portier und der Hoteldiener, eine Dame, die sich so konsequent und zerstörerisch betrinkt, wie Minetti konsequent und zerstörerisch redet, ein junges Mädchen, das auf den Liebhaber wartet. Manchmal stürmt eine angetrunken-heitere Silvestergesellschaft durch die Hotelhalle – taub für Minettis Sätze, blind für seine Leiden.

Weil der Schauspieldirektor endgültig nicht kommt, geht Minetti zuletzt hinaus in den Schneesturm; schluckt Tabletten, setzt sich Ensors "Lear"-Maske auf und wartet, daß er einschneit. Dies ungefähr ist die Fabel von "Minetti", Thomas Bernhards neuem Theaterstück, das Claus Peymann in Stuttgart inszeniert hat und das, Bernhard will es so, nie in einer anderen Inszenierung zu sehen sein wird. Nie wird ein anderer als Bernhard Minetti den Minetti spielen.

Am Tage nach der Uraufführung hatte der Schauspieler Minetti eine Verabredung – wir trafen uns in der Halle eines neuen, schönen, ziemlich teuren Hotels in Stuttgart. Und weil der Kontrast so heftig war zwischen dem Theater-Minetti, der an seiner Erfolglosigkeit und Vereinsamung stirbt, und dem leibhaftigen Minetti, der in den letzten Jahren der erfolgreichste deutsche Schauspieler geworden ist, zwischen einem Künstler, der vergeblich auf einen einzigen Intendanten wartet, und einem, dem die Intendanten nachlaufen – weil also Minettis wirkliche und anscheinend heitere Geschichte Bernhards fiktive und scheinbar tragisch-larmoyante zu verhöhnen scheint, sprachen wir zunächst über den Erfolg. "Ich habe viele Mißerfolge gehabt", sagte Minetti. "Das ist natürlich heute kaum noch bekannt."

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Minetti, 1905 in Kiel geboren, war schon vor dem Krieg ein sehr bekannter Schauspieler, spielte bei Fehling, bei Jessner, bei Gründgens – doch anders als viele seiner Kollegen, die nur im Tremolo von dieser "Berliner Zeit" reden können und dann sogleich auf die ärmliche Theatergegenwart hinweisen, erinnert sich Minetti sachlich: "Ich finde die Qualität des Theaters heute auf keinen Fall geringer als früher. Kein Gedanke, daß früher eine größere Zeit gewesen ist; vielleicht waren die Menschen, die das behaupten, damals glücklicher. Ich bin überhaupt nicht dazu gebaut, viel zurückzudenken – weil ich viel zu neugierig bin, auf die Zukunft, auf neue Aufgaben."

Nach dem Krieg war Bernhard Minetti noch immer ein sehr bekannter Schauspieler. Doch aus vielen Kritiken, die damals über ihn erschienen, sprach jene Hochachtung, die ein bißchen wie Pflichterfüllung klingt: mehr die Verneigung vor vergangenen Verdiensten als die Hoffnung auf neue Abenteuer. Minetti war ein respektierter; Schauspieler, einer von mehreren seiner Generation. Der späte Triumph begann mit Arbeiten bei Rudolf Noelte (Strindbergs "Todestanz") und Klaus Michael Grüber (Becketts "Das letzte Band"). Heute ist Minetti ein geliebter Schauspieler, fast eine Kultfigur. Die von "Theater heute" veranstalteten Umfragen nach dem "Schauspieler des Jahres" gewinnt er fast in jedem Jahr. Aus seinen Kritikern wurden Lyriker – wann gab es den letzten Minetti-Verriß? Und jetzt schrieb Thomas Bernhard für Minetti den "Minetti" – das Stück, die wie immer bitterlichen Klagen und Anklagen, Beschimpfungen und Haßgesänge können es nicht verbergen, ist eine Liebeserklärung – an die Schauspielerei im allgemeinen und an den Schauspieler Minetti im besonderen, den Bernhard, der sonst fast nur Verwünschungen ausstößt, einen "Geisterkopf" genannt hat.

Der Schauspieler und der Dichter, der Komödiant und der Wahnsinnige: es ist eine, seltsame Liebesgeschichte, die sich da in aller Öffentlichkeit, inmitten eines rüden Kultur- und Theaterbetriebs, ereignet – und wie viele Liebesgeschichten, so könnte auch diese ein Mißverständnis sein. Denn auf den ersten, vorurteilsvollen Blick entdeckt man nur wenig, was die Kunst des Thomas Bernhard mit der Kunst des Bernhard Minetti verbinden könnte. Ein Dramatiker, der nur noch den Stillstand beschreibt (Alter, Tod und Verwesung sind seine liebsten Motive), und ein Schauspieler, in dessen Spiel noch nichts zur Ruhe gekommen ist, der noch keine Summe zieht aus seinen Erfahrungen, sondern immer noch neue Erfahrungen sucht, der, auch wenn er Greise spielt, weniger auf die vertanen als auf die noch möglichen Möglichkeiten hinweist. Ein ewig und monoton verzweifelter Schriftsteller – und ein Schauspieler, der noch gar nicht verzweifelt aussieht, der keine Schlußworte spricht (wie viele feierliche alte Kollegen), sondern immer noch Vorschläge macht. Ein Schriftsteller, der mit Bußprediger-Fanatismus die Sinn- und Trostlosigkeit des Lebens geredet – und ein Schauspieler, der dessen Sinn- und Vergnüglichkeit leibhaftig vorführen kann? Natürlich sind solche Gegensätze, wenn man sie so in Formulierungen verewigen kann, nur Halbwahrheiten – wie ungleich komplizierter, schwerer formulierbar Wirklichkeit ist, gerade das läßt sich an Bernhard Minettis Theaterspiel beinahe Satz für Satz und Geste für Geste beobachten.

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Minetti ist ein realistischer Schauspieler. Allein durch Genauigkeit vernichtet er das Rührstück, das "Minetti" auch sein könnte. Er spielt nicht die wehleidige Version der Rolle (den großen, von einem empfindungslosen Publikum verachteten Künstler), sondern die wahrscheinliche: Er zeigt Minettis Kunst als eine zweifelhafte und macht es so mindestens denkbar, daß das Publikum mit seiner Verachtung recht hatte. Wenn er in der Hotelhalle aus dem "Lear" deklamiert, spürt man, wie wenig er dieser Rolle noch gewachsen ist, und fürchtet sich davor, Minetti könnte wirklich in Flensburg noch einmal auftreten. Das kümmerliche Leben in der Provinz hat seine Spuren in Minettis Kunst hinterlassen: Er ist unbeholfen in seinen Mitteln geworden, ein Pensionär der Schauspielkunst.

Doch so eindeutig-bitter (was auch wieder sentimental wäre) läßt Minetti die Figur nicht bleiben. Altmänner-Elend und Grazie, verwegene Gedanken und verworrenes Gerede verbinden sich zu unzähligen Widersprüchen, zu einer immer präzisen, doch niemals völlig definierbaren Figur. Minettis Spiel verhindert eindeutige Gefühle; verhindert, daß man es sich bequem macht beim Zuschauen. "Die Welt will unterhalten sein/aber sie gehört verstört/verstört verstört": diese Bernhardschen Tiraden spricht er heiser, fast bellend, wie, ein streitsüchtiger, rechthaberischer Rentner – und als Zuschauer fühlt man sich belästigt von solchen Sätzen. Ein paar Sekunden später sagt er: "Kopfüber in das Kunstwerk meine Dame/kopfüber/mit dem Geistesgegenstand/gegen den Geistesunrat/mit dem Kunstwerk/gegen die Gesellschaft/gegen den Stumpfsinn/Dem Stumpfsinn/die Geisteskappe aufsetzen" – und macht dazu ein glückliches Zauberergesicht, flüstert und singt und jubelt die Wörter beinahe – und der Zuschauer ist überwältigt von diesen Sätzen, die ihm kurz vorher noch auf die Nerven gingen. Es ist ein ständiges Verwirrspiel, das Minetti mit Thomas Bernhards Sätzen treibt. Ob Bernhards Welt- und Kunstdefinitionen die letzten Weisheiten sind oder die plattesten Plattheiten, oder beides, oder nichts: Minetti schweigt. Und spielt. Er ist kein philosophierender Schauspieler, sondern ein trickreicher; kein Prediger in der Maske des Schauspielers, sondern ein Kunst-Handwerker und Kunst-Kopfwerker.

Bernhard nennt die Schauspielerei "die Wissenschaft vom Kopf und von den Beinen". Minetti kann aus einem einzigen Wort (und wenn es nur "Flensburg" ist) ein Kunststück machen. Ob er, ein bißchen raunend, ein bißchen singend "Flensburg" sagt, so wie ein Magier seine Beschwörungsformeln spricht, ob er "Küste" sagt, und dabei plötzlich eine neue, jüngere, rauhere, seemannshaftbeschwingte Stimme kriegt: ich kenne keinen Schauspieler, der mit einzelnen Wörtern so umgehen kann, als seien es musikalische Motive.

Minetti kann aus Requisiten Lebewesen machen. In "Minetti" kommt er mit einem riesigen alten Koffer auf die Bühne – in dem Koffer ist Ensors Maske aufbewahrt und viele vergilbende Zeitungsausschnitte, Rezensionen über Minetti. Einen Moment lang redet er zu dem Koffer (der ja wirklich sein einziger Lebensgefährte ist) so zärtlich wie zu etwas Lebendigem, wie zu einem alten, räudigen, treuen Hund. Es ist das nur ein schneller Augenblick, es wird keine Geschichte daraus, nichts Rührseliges; Minetti fällt sofort in seinen monologischen Zustand zurück. Man muß vach sein und schnell hinschauen bei Minetti – denn er baut die Effekte nicht aus, er macht es sich nicht bequem in einer Situation. Alles in seinem Spiel und in seiner Phantasie ist beweglich: beschreibt er eine Gemütsbewegung (Minettis Angst, wenn der Schauspieldirektor ausbleibt), zeigt er sofort auch die Gegenbewegung – nähert sich mit ängstlicher Zudringlichkeit dem jungen Mädchen (Therese Affolter), das ihm zuhört, bekommt sofort wieder Mut, genießt es, ein bißchen kokettieren, ein bißchen angeben zu können. Aufbrüche und Zusammenbrüche, die Lebenslust und die Lust, das Leben wegzuwerfen: an Minetti läßt sich studieren, welch komplizierter Apparat ein Mensch ist.

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Was reizt diesen unruhigsten, beweglichsten aller Schauspieler an einem Dramatiker, der nur Endzustände beschreibt; einen, der dauernd Gefühle und Situationen umstößt, an einem anderen, der nur Unumstößliches formuliert? Daß die Kunst der Wahnsinn, das Publikum der Stumpfsinn, die Welt eine einzige Katastrophe ist: es sind die alten Thomas-Bernhard-Litaneien, die auch dieses Stück unermüdlich repetiert. Viele, die dem Unheils-Prediger Bernhard lange ergriffen gelauscht haben, weil da endlich mal wieder ein Dichter die allerletzten, die theologischen Fragen stellte, wenden sich heute schon ermüdet von ihm ab.

Vielleicht haben diese Interpreten, gierig auf "Sinn" und tiefere Bedeutung, Bernhard immer falsch gelesen. Vielleicht ist er gar nicht so sehr ein theologischer als ein komödiantischer Autor. Vielleicht sagen Bernhards Stücke gar nicht, daß alles sinnlos ist, sondern nur: daß alles Unsinn ist. So ähnlich klang es bei Raimund und Nestroy auch schon: Mit ihren Stücken haben Bernhards Texte mehr gemein als mit dem Buch Hiob und der Offenbarung des Johannes.

Warum wurde Minetti aus Lübeck vertrieben? "Weil ich mich der klassischen Kunst verweigert habe." Er wiederholt das immer wieder, es ist wie ein Tick. Immer wieder betont er, daß er ein Märtyrer ist, so oft, daß man ihm bald mißtraut. Hatte sein Abgang aus Lübeck wirklich so heroische Motive? Oder hat man ihn ganz einfach wegen Unfähigkeit davongejagt?

In Raimunds "Alpenkönig und Menschenfeind" (dessen Hauptfigur, der Herr Rappelkopf, über Welt und Menschheit ähnlich querulantisch schimpft wie Thomas Bernhard) tritt ein Diener auf, Habakuk heißt er. Sicher hundertmal im Stück versichert er seinen Mitmenschen: "Ich war zwei Jahre in Paris." Und versucht ja, seine armselige Dienergegenwart mit einer schöneren Vergangenheit zu vergolden. Könnte Minettis Behauptung ("Weil ich mich der klassischen Kunst verweigert habe") nicht genau denselben Sinn haben: die dürftige Künstlergegenwart heroisch zu verklären? Habakuk jedenfalls war nie in Paris – nur zwei Jahre in St. Pölten.

Oder ein Bernhard-Satz wie dieser: "Der Geisteskünstler/der sich als Kopfkünstler tödlich verletzt hat/der in die Katastrophe hineingegangen ist": Ist das wirklich sehr erhaben? Oder ist es nicht vor allem Rhetorik, Akrobatik? Der Überdruß am Leben und der Genuß an den Wörtern: jedes Nestroy-Stück handelt davon. Und daß die Verzweiflung ein Zustand ist, in dem man sich ziemlich wohl fühlen kann, daß der Weltuntergang ein amüsantes Ereignis sein kann – auch das hat nicht erst Bernhard in die österreichische Literatur eingeführt. "De Wöld is unhamlich schiach!" erkannte Wolf gang Bauer. Dasselbe, in feierlicher, rhythmisierter Prosa behauptet Thomas Bernhard auch. Jetzt, da seine Texte nahezu leerinterpretiert sind, könnte man sie endlich begrifflos, also aufmerksam erleben – mit dem Vergnügen, das man an Musik hat, an mathematischen Formeln, an Clownerien.

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"In meinem Fäll habe ich das Publikum/immer abgestoßen/je größer der Schauspieler/und je höher die Kunst des Schauspielers/desto heftiger ist das Publikum abgestoßen." So spricht Minetti, und dabei denkt man mehr an Schauspieler wie Wildgruber oder Kinski als an Bernhard Minetti. Könnte es sein, daß Minetti, der vielgeliebte, als Minetti fehlbesetzt ist? Unser Gespräch, einen Tag nach der Uraufführung, wurde zu einer Fortsetzung der Aufführung unter anderen Vorzeichen – zu einer Liebeserklärung Minettis an Thomas Bernhard.

"Ich habe mein Publikum schon verletzt und entsetzt, habe Furcht und Mitleid ausgelöst. Das Verhältnis zum Publikum: da ist nicht alles lieb und nett. Drama ist ein Kampf, ein Kampf mit dem Publikum. Es hat ja keinen Sinn zu sagen: Das sind nette Leute, vor denen ich heute spiele, da will ich mal schön nett und vorsichtig sein. Um ein Publikum hinzureißen, um es zu entsetzen, gehört schon ein übermäßiger Einsatz, auch an Unheimlichem.

Bei der ‚Macht der Gewohnheit‘, auf der Tournee, gab es viele böse Zwischenrufe – und da stellte sich dann die Bernhardsche Beobachtung als treffend heraus, daß dann die Kräfte innerhalb einer Sekunde wachsen – im Sinne eines noch intensiveren, realistischeren Spiels, das dann das Publikum einfach zum Zuhören zwingt. Als gestern in der ‚Minetti‘-Premiere der Zwischenruf kam ("morgen in Augsburg"), da spürte ich sofort einen Ruck des Wachseins – wie ein Urwaldtier, das plötzlich etwas hört und sofort bereit ist, sich dem Angriff zu stellen. Ich empfand es als Eingriff, als Angriff. Aber ich bin gar nicht fürs Behütet-Sein, es muß nicht alles brav sein, es ist herrlich, wenn die Leute sich balgen. In Berlin, bei Moritz Seelers Junger Bühne, wo neue Dramatiker vorgestellt wurden, gab es Ohrfeigen im Parkett – die Leute haben sich um Kunst und über Kunst geschlagen. Das sind doch alles Bestätigungen, für Bernhard, der (nicht in Dinkelsbühl, aber in seinem Ohlsdorf) über die Dinge grübelt: ‚Der größte Feind des Schauspielers ist sein Publikum.‘

Ich lese Bernhard anders, ich lese ihn gar nicht unbeweglich. Da gibt es eine große seelische Bewegtheit in den Figuren, in der Satzfolge. Ich empfinde jeden Satz mit einer anderen Tendenz, auch die Wiederholungen haben ständig eine Variante. Es ist diese ungewöhnliche Verletzlichkeit, und daß Bernhard sie so vor sich herträgt: Das ist ganz ungewöhnlich in seiner Direktheit. Er schreibt immer von sich selber – Tolstoij hat das in die Figuren hineingebracht, in objektive Handlung.

‚Die Ursache‘ ist eines der erschütterndsten Bücher, das ich gelesen habe in den letzten Jahren. Aber ich sehe auch das Optimistische. Minetti sagt: ‚So ein Verrückter wie ich.‘ Diese Fähigkeit, sich selber als verrückt zu bezeichnen, ist eine typisch Bernhardsche Eigenschaft, auch seine private. Diese Fähigkeit zur Selbstverspottung. Vom Theater her ist er ein ungeheuer erregender Autor und unterscheidet sich schon dadurch von seinen Generationsgenossen. Von Weiss oder Hochhuth kann man gar nicht sprechen in diesem Zusammenhang. Ich empfinde diesen Bernhardschen Text als blühend. Er blüht. Nicht ‚blühen‘ im euphemistischen Sinne, sondern wie eine schöne Blume blüht oder eine häßliche Blume,- oder wie Unkraut blüht. Für mich ist dieser Text ganz körperlich. Und man kann ihn zitieren – man kann sich stundenlang in Bernhardschen Sätzen unterhalten. Man kann mit den Sätzen leben."

Noch eine Huldigung: Minetti ist ein Schauspieler, der zuversichtlich macht. Er überträgt auf die Figuren, die er spielt, seine eigene Zukunftslust; er spielt die Furcht, daß alles vorbei ist, und gleich darauf die verwegene Hoffnung, daß noch alles anders werden könnte. Seine Schauspielerei hat ein utopisches Moment: So wie Minetti sind alte Männer gewöhnlich nicht, so wie Minetti könnten sie vielleicht sein; wenn sie nicht müde wären, sondern entdeckerisch, wenn sie die Nachtmütze absetzten und die Geisteskappe auf.