Noch gewinnt die Friedensbewegung täglich neue Kraft

Von Rudolf Walter Leonhardt

Londonderry, im September

Wie immer es ausgehen mag: Mit den irischen Frauen hat das Wort "Emanzipation" einen neuen Klang bekommen. Alles, was durch die Frauen in Nordirland geschieht, scheint so simpel. Aber es gehört nur mehr Mut dazu, als die meisten von uns haben.

Am letzten Wochenende fand die vierte Feier eines noch nicht geschlossenen – Friedens statt. Schon die Angabe des Ortes machte Schwierigkeiten. Londonderry heißt er in der protestantischen Geographie, Derry in der katholischen: Anfang des 17. Jahrhunderts hatte es die City of London übernommen, das irisch katholische Derry mit englischen Protestanten zu "bepflanzen".

Seitdem trennt der Fluß Foyle die (inzwischen) 40 000 katholischen Einwohner auf der Bogside am Westufer von den 23 000 protestantischen Einwohnern auf der Waterside am Ostufer. Dabei sind die Wahlgesetze in Londonderry so eingerichtet, daß eine protestantische Mehrheit die Stadt regiert,

Von der Bogside zur Waterside führt die etwa 350 Meter lange, zweigeschossige Craigavon-Brücke. Und auf dieser Brücke trafen sich vergangenen Sonnabend so viele katholische und protestantische irische Frauen, wie darauf Platz fanden. Die anderen mußten an den Ufern bleiben. Alles in allem waren es wohl 25 000, ein paar hundert Männer auch dabei. Sie waren in Omnibussen aus ganz Nordirland gekommen, vor allem aus Belfast. Aber auch Omnibusse aus der Republik Irland im Süden konnte man sehen.