Dank guter Deviseneinnahmen konnte Rom einen Teil des deutschen Kredits zurückzahlen

Jedes Jahr im Sommer, wenn die Touristen kommen, gilt für die italienische Notenbank das Motto "Denke dran, schaff’ Vorrat an". In der währungstechnisch guten Jahreszeit bemüht sie sich, möglichst viele Devisen einzuhamstern, um für den Winter gerüstet zu sein. Dies ist ihr im Juli und August dieses Jahres so gut gelungen, daß Italien bei der Erneuerung des deutschen Bundesbankkredites von zwei Milliarden Dollar aus dem Jahre 1974 sogar 500 Millionen Dollar zurückzahlen kann.

Der Entschluß dazu ist der italienischen Regierung nicht leichtgefallen. Doch nach dem Verfall des Goldpreises während der beiden vergangenen Jahre hätte Italien zu den 516 Tonnen Gold, die es vor zwei Jahren als Sicherheit für den Kredit stellte, zusätzlich 150 Tonnen aus seinen Reserven verpfänden müssen. Denn die 516 Tonnen, ein Fünftel des gesamten Goldreservebestandes, decken jetzt nur noch drei Viertel des Kredites.

Die hohen italienischen Goldreserven sind für das Ausland, bei dem Italien derzeit mit rund 40 Milliarden Mark in der Kreide steht, eine gewisse Garantie. Doch auch angesichts der hohen Zinsaufwendungen von jährlich über einer Milliarde Dollar war es für Rom jetzt günstiger, der Bundesbank in Frankfurt ein Viertel des Kredites zurückzuzahlen, das restliche Gold in Reserve zu halten und sich die Möglichkeit zu sichern, den Kredit wieder auf volle zwei Milliarden Dollar aufzustocken.

Für den Fall, daß dieser Rückgriff nötig wird, muß Rom der Bundesbank entsprechend mehr Gold als Pfand stellen. Gegen einen weiteren Wertverfall des verpfändeten Goldschatzes haben sich die Frankfurter Währungshüter diesmal gesichert: Wenn die nächsten Goldverkäufe des Weltwährungsfonds den Pessimisten recht geben und der Goldpreis weiter fällt, muß Rom im März nächsten Jahres auch ohne volle Ausnutzung der Kreditlinie mehr Gold hergeben.

Daß Italien überhaupt einen Teil des Kredites zurückzahlen konnte, verdankt das Land vor allem den Touristen. Sie haben in den vergangenen zehn Wochen mindestens drei Milliarden Mark ins Land gebracht. Umgekehrt reisten wegen der drastischen Devisenausfuhrbestimmungen nur wenige Italiener ins Ausland. Außerdem machte die heimische Industrie Sommerferien und drosselte ihre Devisen schluckenden Rohstoffimporte in dieser Zeit. So kam im Juli ein Zahlungsbilanzplus von 2,8 Milliarden Mark zustande. Auch im August ist mit einem zumindest halb so hohen Überschuß zu rechnen.

Wie lange werden die Devisenvorräte von rund 28 Milliarden Mark reichen? In den vergangenen Jahren begann die harte Zeit für die Lira im allgemeinen zwischen Januar und März. Da die Industrieproduktion bis zum Jahresende voraussichtlich um etwa zehn Prozent steigen und sich infolgedessen auch der Devisenbedarf für Rohstoffimporte erhöhen wird, müssen die Währungsbehörden mit einem neuen Sturm auf die Lira spätestens um die Jahreswende rechnen.