Saarbrücken Es ist heiß draußen auf dem Friedhof. Die kühle Stille der Kapelle wirkt dagegen beinahe angenehm. So fällt die Arbeit nicht ganz so schwer, mit der sich die Steinmetze quälen. Sie wuchten die massigen Steine des Fußbodens hoch, um die Gruft darunter freizulegen. Darunter, hier vor dem Altar der kleinen Kapelle in Cadolzburg, liegt Erbprinz Heinrich zu Nassau-Saarbrücken begraben. Jetzt stehen seine Landsleute hier, getrennt durch mehrere Generationen und eine unendlich lange Zeit: Eine Delegation kam aus Saarbrücken, 450 Kilometer weit her, um die sterblichen Überreste des Prinzen nach Saarbrücken zu überführen.

So wollte es der Erbprinz, als er damals, vier Monate vor seinem Tod, im Dezember 1796 in seinem Testament die Form seiner Bestattung, festlegte. Fast 180 Jahre sind vergangen, bis dieser Letzte Wille des letzten Fürsten von Saarbrücken erfüllt wurde. Zeit seines Lebens hatte er gehofft, die Regierungsgeschäfte in Saarbrücken übernehmen zu können, auch damals, als er ein Jahr im Exil in Cadolzburg bei Fürth wohnte. Friedrich Wilhelm II. von Preußen hatte ihm Schloß. Cadolzburg zur Verfügung gestellt, als er vor den Franzosen aus dem Saarland flüchten mußte. Er erlebte die Heimkehr nicht mehr: Im Exil verunglückte er, 29jährig, durch einen Sturz vom Pferd tödlich.

Man bestattete ihn in der Gruft in Cadolzburg, wo jetzt unter der Leitung des saarländischen Ministerialrats Ernst Klitscher die Delegation aus Saarbrücken den letzten fürstlichen Willen verwirklichen will. Klitscher, Initiator und Motor des Freundeskreises Erbprinz Heinrich, der sich die Rückführung des Prinzen zur Aufgabe gesetzt hat, erhielt kurz vor der Abreise den staatlichen Auftrag dazu vom Ministerpräsidenten des Saarlandes.

Landeschef Franz Josef Röder gehört wie zahlreiche weitere Saarländer der "ersten Garde" Zum Freundeskreis. Es ist eine, lange Reihe bekannter "Offizieller", die sich bereit erklärt hat, die Aktion, zu unterstützen, als Ernst Klitscher sie ansprach: der Landtagspräsident, der Intendant. des Saarländischen Rundfunks, der Verlagsdirekter der Saarbrücker Zeitung, Saarbrückens Oberbürgermeister und viele andere.

Das öffentliche Interesse war entsprechend: Saarländischer Rundfunk mit Fernsehteam, Reporter für Hörfunk und die Saarbrücker Zeitung, einzige saarländische Tageszeitung, waren in Cadolzburg vertreten. Nicht ohne Vorbehalte wurden die Berichte aufgenommen: Doch anfängliche Skepsis angesichts solch "altmodisch" anmuten-

den Unternehmens, im 20. Jahrhundert den Willen eines längst verblichenen Erbprinzen zu erfüllen, folgte eine Phase der Unsicherheit bei all den renommierten Verteidigern dieser Ehrenpflicht, die schließlich in ein "warum nicht?" umschlug. Dann meldeten sich auch die ersten mit Originalbriefen, mit Erinnerungen aus jener Zeit oder, sogar mit verwandtschaftlichen Bindungen wie jener Herr Fauth, dessen Urgroßvater mit dem Prinzen das Exil in Cadolzburg teilte.

Klitscher selbst, für den Geschichte schon lange "zu einem Suchen nach dem Nebenmenschen in vergangenen Generationen" ist und der von sich sagt, je tieferen Grund er im Vergangenen gewinnt, desto wesentlicher ist seine Teilnahme am gegenwärtigen Gang der Dinge ("Wir stehen doch alle auf den Schultern unserer Vorfahren"), stellt schlicht fest: Aus dem geschichtsbezogenen ist längst ein persönliches Anliegen geworden, "den Erbprinzen heimzuholen".