Wie ein Abschreibungsexperte mit der Finanzverwaltung um ein attraktives Finanzierungskonzept kämpft

Von Jens Friedemann

Wenn er nicht im Tennisdreß seine Bälle schmettert, sitzt Jürgen Amann, 35jähriger Finanzexperte aus Köln, über Kalkulationen; sie bereiten seinem Gegenpart Rainer Schütz, dem Leiter des Sachgebiets für Abschreibungsgesellschaften bei der Oberfinanzdirektion Köln, häufig Verdruß. Amann geht es um Millionengeschäfte mit Steuervorteilen, Schütz um präzise und unzweideutige Anwendung deutschen Steuerrechts.

Wie auf dem Schachbrett liefern sich beide – der eine als Finanzbeamter skeptisch in seiner steuerlichen Beurteilung der Abschreibungsbrandie, der andere einer ihrer kreativsten Köpfe – Zug um Zug steuerrechtliche Kämpfe. Jetzt jedoch beginnen die Auseinandersetzungen erstmals politische Wirkungen zu zeigen.

Stand die Abschreibungsbranche bislang in dem gesellschaftspolitisch leicht anrüchigen Ruf, Steuerschulden reicher Bürger in Vermögen verwandeln zu können, verblüfft Jürgen Amann jetzt mit einem Schachzug, dem selbst seine Gegner in den obersten Finanzbehörden ein gewisses Maß Achtung zollen.

Ihm gelang es, ein Mietkaufsystem auf den Markt zu bringen, das mit Hilfe steuerlicher Gestaltungsmöglichkeiten sozial schwächeren Bürgern auf Kosten besser verdienender Zahnärzte und Kaufleute Eigentum an Einfamilienhäusern verschaffen soll. Das komplizierte Vertragssystem führt drei Partner zusammen: den Mietkäufer, der ohne Eigenkapital ein Haus erwerben will, den Kapitalanleger, der als Bauherr Steuervorteile in Anspruch nimmt, und das Finanzamt, das seinen Segen dazu geben soll.

Binnen Jahresfrist gelang es Amann, 800 Familienheime nach seinem System an Kapitalanleger zu verkaufen. Zusammen mit Partnern, wie dem Baukonzern Philipp Holzmann und der gewerkschaftseigenen "Neuen Heimat", konnte er davon bereits 180 Objekte fertigstellen. 165 davon werden heute schon von Mietkäufern bewohnt.