Wie die Münchner Bierfabrik den US-Markt zurückgewinnen will

Für Bankier August von Finck, der viele Jahre lang Aufsichtsratsvorsitzender der renommierten weiß-blauen Bierfabrik "Löwenbräu München" war, galt stets der Grundsatz: "Nie im Ausland mit einer anderen Brauerei zusammenarbeiten." Finck, der 1972 seinen Platz räumen mußte, nachdem die Bayerische Hypotheken- und Wechsel-Bank zum Löwenbräu-Hauptaktionär aufgerückt war, hat deshalb große Bedenken gegen den Vertriebs- und Lizenz-Vertrag, den Löwenbräu mit der "Miller Brewing Company" abgeschlossen hat. In ihm wurde der Brauerei, einer Tochtergesellschaft des US-Zigarettenkonzerns Philip Morris, nicht nur der Exklusivvertrieb des Löwenbräu-Bieres in den Staaten übertragen, sondern auch vereinbart, daß Müller nach Löwenbräu-Lizenz in Amerika gebrautes Bier dort verkaufen darf und dafür Lizenzgebühren zahlt.

Die Kooperation mit einem starken Partner wird von den Münchnern aus zwei Gründen dennoch als unerläßlich angesehen: Einmal verlor Löwenbräu in den vergangenen Jahren vor allem infolge des Verfalls des Dollar-Kurses weit über die Hälfte seines US-Absatzes. Allein im Geschäftsjahr 1974/75 sackte er um 45 Prozent auf nur noch gut 100 000 Hektoliter ab. Zum anderen trug der Rechtsstreit mit dem ehemaligen Alleinimporteur für die Ostküste, Dieter Holterbosch, um die Verlängerung seines Vertrages dazu bei, daß die neben "Becks" und "Holsten" bekannteste deutsche Exportmarke an Terrain verlor. "Die Talsohle ist erreicht", meint jetzt Vertriebschef Clemens Zillich.

Im Sudjahr 1975/76, das am 30. September zu Ende geht, dürfte das Amerika-Geschäft wieder auf über 150 000 Hektoliter zunehmen. Und in wenigen Jahren hofft Zillich, mit Millers Hilfe auf eine Million Hektoliter zu kommen. Nur wenn Miller mit dem Lizenzbier sehr rasch in solche Dimensionen hineinwächst, geht die Rechnung der Münchner auf. Exportchef Johann Daniel Gerstein ist jedenfalls sicher: "Wir sind mit dieser Konzeption auf dem richtigen Weg, um Löwenbräu als Weltmarke zu erhalten."

Offen ist noch, wann Miller mit Löwenbräu, "bottled in USA" auf den Markt kommt. Zunächst war von Anfang 1977 die Rede. Es dürfte aber eher Ende nächsten Jahres werden. Vorher soll der Gerstensaft auf verschiedenen Testmärkten eingeführt werden. Ein paar tausend Hektoliter wurden bereits ausgeschenkt. Die Resonanz beim Biertrinker war, so Gerstein, jedenfalls ermutigend. Auf höhere Exporte, auch in die europäischen Länder, sind die Bayern dringend angewiesen, um die Sudhäuser besser auszulasten. Denn auch die Deutschen schränkten ihren Löwenbräu-Konsum ein: Im Geschäftsjahr 1974/75 um rund neun Prozent, während die gesamte Braubrandie im Inland 1975 noch 0,7 Prozent mehr Bier verkaufte als im Jahre zuvor.

Trotz des heißen Sommers 1976 dürfte der Inlandsabsatz in diesem Jahr noch weiter zurückgehen. Um aber den gesamten Bierausstoß von derzeit rund 1,2 Millionen Hektolitern wieder zu steigern, muß Löwenbräu mehr als 100 000 Hektoliter zusätzlich in den deutschen Markt pumpen. Das ist keine leichte Aufgabe, zumal das Qualitätsimage von Löwenbräu in der Bundesrepublik bei hohem Bekanntheitsgrad immer noch zu wünschen übrig läßt. Zillich: "Bei Vergleichstests in neutralen Gläsern schneiden wir hervorragend ab, doch wenn die Biere offen deklariert werden, machen meist die anderen das Rennen."

In Amerika sieht sich. Löwenbräu jetzt der Konkurrenz seines abgehalfterten Partners gegenüber: Der clevere Holterbosch hat sich mit dem Staatlichen Hofbräuhaus in München liiert und verkauft drüben die von ihm kreierte Handelsmarke "Hofbräu Bavaria". Der größte Teil des Gerstensaftes kommt aber nicht vom Hofbräu, sondern von der "Ersten Kulmbacher Actien-Exportbier-Brauerei" (EKU) im oberfränkischen Kulmbach. Deren Großaktionärin ist pikanterweise wie beim Löwenbräu die Bayerische Hypo. Ihr Vorstandsmitglied Klaus Hartlieb fungiert bei der EKU als Aufsichtsratsvorsitzender und ist erst kürzlich aus dem Löwenbräu-Aufsichtsrat ausgeschieden. Kommentierte ein Insider: "Ich verstehe die Brauereipolitik der Hypo-Bank schon lange nicht mehr."

Hermann Bößenecker