Die billige Panamaflagge ist vor Italiens Küsten unerwünscht

Statt des Steuermannes stand plötzlich der Steuerfahnder in der Kajüte. Diese Erfahrung machten in den letzten Wochen an die hundert italienische Freizeitkapitäne und Besitzer ansehnlicher Yachten, die unter der Flagge von Panama in den Häfen der Halbinsel lagen. Vorläufig wurden die Schiffe versiegelt. Noch ist nicht gewiß, ob die in verschiedenen Hafenstädten Italiens auf Anordnung einiger Amtsrichter beschlagnahmten Yachten unter die Artikel 2, 11 und 14 der Genfer Konvention vom 18. Mai 1956 fallen. Danach können in Italien ansässige Staatsbürger in italienischen Territorialgewässern nicht unter ausländischer Flagge segeln.

Die Steuerbehörden wollen jedenfalls kassieren. Ihnen entgehen bei jedem Segelboot oder Motorschiff unter Panamaflagge dreißig Prozent Mehrwertsteuer. Diesen Betrag müßte der Käufer nämlich auf den Erwerb des Luxusgutes entrichten, wenn er es unter italienischer Flagge fahren ließe. Fast alle Yachten sind in Italien vom Stapel gelaufen. Aber noch andere Steuerverluste sind den Fahndern ein Dorn im Auge: Ersatzteile, Proviant, Tabak und Alkohol kaufen Panama-Freizeitsegler zollfrei; und Motoryachten tanken für den halben Preis. Für das Bordpersonal braucht nicht der kostspielige nationale italienische Tarifvertrag angewendet zu werden. Überdies fällt es dem Eigner leichter, in der Steuererklärung das unter der "Schattenflagge" laufende Boot zu verschweigen. Wer in Italien ein Boot besitzt, muß das nämlich angeben, und der Fiskus vermutet in solchen Fällen wohl nicht zu Unrecht ein erheblich höheres Einkommen.

Folge der Jagd auf Yachten: Ein großer Teil der 9000 italienischen Panama-Fahrer ist mit dem Streitgegenstand in andere Mittelmeerhäfen entwischt. Allein in den Adriahäfen des kommunistischen Jugoslawien begehren plötzlich eintausend italienische Yachten einen Liegeplatz. Auch die Häfen in Südfrankreich, Griechenland und Malta freuen sich über das unvermutete Sondergeschäft, zumal die winterliche Überholung der Yachten einigen tausend Arbeitern in kleinen Reparaturwerften Beschäftigung bringt.

"Vorher hatten wir nicht genug Häfen für die Yachten, jetzt stehen die Touristenhäfen leer", ärgert sich Italiens Minister für Tourismus. Mit ihm beklagt das Hotelgewerbe die überstürzte Flucht gut zahlender Gäste. Die Konsulate von Panama gingen inzwischen zum Gegenangriff über: Sie verweigern den vierhundert Bootsbesitzern, die sich mit den italienischen Behörden einigen wollen, die Abgabe der Flagge. Zwei Flaggen aber kann kein Fahrzeug haben; und Panama hat die Genfer Konvention nicht unterschrieben. Friedhelm Gröteke