Das Deutschland-Bild ausländischer Touristen – ganz gleich ob sie kommen oder gehen – ist fast dasselbe wie vor 20 Jahren und wird vermutlich in 20 Jahren dasselbe sein wie heute.

Der typische Deutsche ist Bayer, zählt zu den frenetischen Anhängern des Oktoberfestes, ernährt sich von Sauerkraut und Bier, das aus stets gut gefüllten Krügen getrunken wird und hat in seinem Kleiderschrank einen Extraplatz für die Lieblingskleidung – eine Lederhose.

Vornehmlich in amerikanischen Touristenkreisen ist dieses Klischeebild weitverbreitet, ergänzt durch ein traditionell geprägtes Bild der deutschen Frau, das sich aus Küche, Kindern und Kirche zusammensetzt, sowie dem sogenannten "Fräulein-Wunder", das den Nachkriegsdamen aus Munich, Cologne or Hanover anerkennend zugebilligt wird.

Der Deutschen Zentrale für Tourismus (DZT), deren Aufgabe es ist, dafür zu sorgen, daß möglichst viele ausländische Urlauber möglichst viel Geld (7,1 Milliarden Mark im letzten Jahr) in die Republik bringen, sind die bayerisch gefärbten Gedanken ihrer Zielgruppe nicht unbekannt. Neben dem oben geschilderten Kraut- und Bier-Image registrieren die DZT-Manager auch noch immer Auswirkungen des Nationalsozialismus.

"Solche Verzerrungen", erläutert der für diesen Problemkreis bei der DZT mitverantwortliche Dr. Krüger, "können nur sehr schwer korrigiert werden! Für uns hat nun mal das Wort ,Oktoberfest‘ einen beträchtlichen Aufmerksamkeitswert im Ausland. Da stellen viele automatisch eine Assoziation zu Deutschland her."

Fachmann Krüger ist zwar nicht gerade glücklich über solch engstirnige Gedankenspiele, hält es aber für unmöglich, dieses Image korrigieren oder gar abbauen zu können, denn dazu wäre eine gigantische Werbekampagne notwendig. Ihre Wirkung wäre zudem nicht sicher abzuschätzen. "Außerdem würde das Unsummen kosten, so viel Geld können wir gar nicht auftreiben! Deshalb versuchen wir lieber, die vorhandenen Vorstellungen für unsere Zwecke zu nutzen", – heißt es bei der DZT.

Folglich muß der kleine blonde Junge, der in den im Ausland verteilten Prospekten Deutschland-werbend über romantische Wiesen rennt, eine Lederhose tragen. Und er tut es auch.