"Miß Lind und der Matrose", von Hans Leip. In dieser bald fünfzig Jahre alten Novelle, die als "Ein kleiner Roman" neu gedruckt worden ist, gibt der Matrose Schareko, der eigentlich anders heißt, seine aparte und katastrophale Liebesgeschichte zum besten, Daß es mit ihm und der zarten Miß Lind übel enden muß, weiß man schon, ehe sich das fromme Fräulein entschließt, den "Heiland für alle" zur Welt zu bringen. Hans Leip malt die unmögliche Passion in angemessener Schwermut, aber auch mit vorbedachter und hübsch hinterhältiger Einfalt aus. An kernigen und gutgezielten Wörtern, zumal Verben, fehlt es nicht. Es ist schon ungerecht, daß Leip, der Produzent so vieler Seestücke ("Jan Himp..."), heute bei uns – anders als in der Schweiz, wo er seit langem lebt – zwar noch von den Lokalreportern wahrgenommen wird; aber so gut wie nie mehr von den Kritikern. (Langewiesche-Brandt Verlag, Ebenhausen bei München, 1976; 128 S., 15,– DM.)

Christa Rotzoll