Bremen: "Gustav Seitz"

Zum 70. Geburtstag von Gustav Seitz (1906–1969) veranstaltet die Bremer Kunsthalle eine umfassende Retrospektive mit rund 100 Skulpturen und 150 Zeichnungen. Den Avantgardisten war Seitz immer ein Dorn im Auge. Sie haben, als sein Werk 1968 auf der Biennale in Venedig – zusammen mit Horst Janssen und Richard Oelze – gezeigt wurde, lautstark gegen diese Entscheidung protestiert Heute erscheint der Streit um "gegenständlich" oder "abstrakt", um konservativ oder progressiv reichlich antiquiert. "Seitz und sein Werk behaupten sich unter den veränderten Aspekten einer allgemeinen Kunstsituation", schreibt Günter Busch in seinem Katalogvorwort. Die Bremer Ausstellung zeigt die verschiedenen Stadien einer durchaus nicht stürmischen, einer langsam und schrittweisen Entwicklung von konventionellen Anfängen, von den stehenden, liegenden, hockenden Mädchen, die dem großen Vorbild Maillol verpflichtet sind, bis zu den Arbeiten der Spätzeit der "Flensburger Venus", diesem Paradestück einer auf Entidealisierung und Entmythisierung gerichteten Realistik, und dem "Geschlagenen Catcher", der sich entschieden von dem fröhlich unbekümmerten Optimismus älterer Skulpturen absetzt Die letzte Arbeit von Gustav Seitz, die Reliefs zur Porta d’amore, das beste Beispiel für seine plastische Vitalität und seine Fähigkeit zur formalen Reduktion, kann man in einigen Bronzetafeln und vorzüglichen Entwurfszeichnungen sehen. (Kunsthalle bis 10. Oktober, Katalog 22 Mark)

Gottfried Sello

Nürnberg: "Die Welt des Hans Sachs"

Auch in Hans Sachs’ kleiner Welt – sie war identisch mit der Stadt Nürnberg und ihrer Umgebung – machten die Ereignisse Schlagzeilen, die die große Welt bewegten – der nur aus Nachrichten von fernen Kriegsschauplätzen bekannte Kampf gegen die Türken ebenso wie das unmittelbar erlebte Geschehen im Zusammenhang mit der Reformation. Flugblätter und Flugschriften des Schusterpoeten behandelten eine Vielfalt von Themen, und sie waren in der Regel illustriert. Die Holzschnitte, die den Texten beigegeben waren, werden in der Ausstellung nun zum erstenmal im Zusammenhang gezeigt. Verfertigt von Barthel und Sebald Beham, von Georg Pencz, Erhardt Schön, Virgil Solis, den Nürnberger Kleinmeistern, sind diese Illustrationen durchaus von kunsthistorischem Interesse, vorgeführt werden sie allerdings als kulturgeschichtliche Dokumente. Sie vermitteln durch pamphletistische Schärfe und drastische Direktheit eine Vorstellung von der Art, wie damals politisch-religiöse Auseinandersetzungen geführt worden sind: Hans Sachs stand auf der Seite Luthers, der "Wittembergisch-Nachtigall", und so nimmt es nicht wunder, wenn der Papst als siebenköpfiges Untier dargestellt wurde. Man erfährt auch einiges über den Zustand der Straßen Nürnbergs, die Ausstattung der Häuser, die Sitten und Gebräuche und vor allem über die Mode, die durch Kleidungs-Gebote und Schmuck-Verbote bestimmt war. Deutlich wird auch das Mißtrauen des Städters gegenüber den rohen, unmäßigen, ungebildeten Bauern und seine Bewunderung für den Landsknecht, der innerhalb der schützenden Mauern als tapferer christlicher Held erschien (Kemenatenbau der Kaiserburg bis zum 3. Oktober, Katalog 20 Mark).

Almut Schneider

Wichtige Ausstellungen: